Die Zeiten sind schlecht, das Öl ist teuer, die Welt regieren Ungeheuer – was kann man sich da sehnlicher wünschen als die Rückkehr des Erlösers! Daß dieser verheißungsvolle Moment nun endlich gekommen war, wer hätte an jenem 24. Juli 2008 (nach Christus, so lange war das da nun schon her!) daran laut oder auch leise zu zweifeln gewagt.
Zu voll Berlins größte Straße, zu präsent die Kameras, zu unisono die Loblieder der vereinigten Rührigkeitsjournaille, die fröhlich und stundenlang auf Kosten des GEZ-(Schon GEZahlt? Danke!)-Zwangskunden eine Dauerwahlwerbesendung im Multikanalverfahren versendete, als gäbe es für Deutschland nichts Dringenderes als die Bewerbungsrede eines Privatmannes, der demnächst am anderen Ende der Welt darum kandidiert, um ein politisches Amt ebenda kandidieren zu dürfen. Schließlich muß man sich in einer Rundfunkordnung, die sich auf einen sogenannten Grundversorgungsauftrag beruft, ja vor allem nach dem richten, was das (wir sind das) Konsumvolk fordert: Osama (”ups!”) for Kanzler! – oder, dezent geistreich, “nicht so farblose” Politsuperstars endlich auch für Deutschland!
Aber so war das ja schon immer. Nicht das “was” zählt (keine Atomwaffen mehr – außerhalb Amerikas, klar! oder endlich gleichberechtigter Partner sein – hinter den Geschützrohren an Euphrat, Tigris und Hindukusch!), sondern das wie – und da ist sich die Masse, die schon seit etlichen Staffeln vergeblich den Superstar sucht, einig wie selten: “Endlich mal einer mit Visionen, der die Welt neu ordnet”. Komisch: Klingt, wie schon mal gehört. Könnte eine Weile her sein.