Ich bin Werbeverweigerer.
Derart vorwurfsvoll wird man – quasiamtlich vom zuständigen Branchenverband! – tituliert, wenn man schrotflintenartiges Vergeuden von Tonnen bunten Papiers als ebendies empfindet, die dahintersteckende überlegene Zielgruppenorientierung, die die Verursacher dieser besonders krankhaften Werbeform (”Viel hilft viel!”) vor gefühlten fünfhundert Jahren in der Baumschule gelernt haben mögen, einfach nicht erkennen will und das auch noch jedem deutlich am Briefkasten sichtbar verkündet. Wie wohl Menschen aussehen, die sich für Neologismen wie “Werbeverweigerer” (vermutlich: gut) bezahlen lassen?
Über gute Gründe, sich eben diesen Verweigerern zurechnen zu lassen, will ich heute gar nicht schreiben. Auch nicht über die Beweggründe aller diese Verweigerung nicht Hinnehmenwollenden, die stets irgendwo zwischen dumm und saudumm, frech und kackfrech (à propos: ein Wunder, daß noch niemand vor meine Tür geschissen hat – ist das so, obwohl dort kein Verweigererstigma prangt oder gerade weil?) zu suchen sind. Ich möchte statt dessen von meiner alten Freundin Mechtgret, deren Namen ich, wie es sich auch für eine Laienredaktion gehört, natürlich geändert habe, berichten.
Mechtgret ist wie ich Werbeverweigererin. Als sie neulich wieder einmal aus ihrem Verweigererbriefkasten vier Hochglanzseiten voller panmediterraner Lieferkost angeln durfte, hat sie nicht lange überlegt: Wegschmeißen? Sowieso. Anrufen und meckern? Wirkungsgrad: “Reissack”. Hinnehmen? Niemals: Mechtgret ist eine Frau der Tat.
Also wurde kurzerhand für eine Familienfeier am äußersten Stadtrand bestellt, was die bunte Speisekarte hergab. Beinahe dreistelliger Warenwert. Mechtgret ist alleinstehend. Mechtgret feiert auch nicht gern. Schon gar nicht mit der buckligen Verwandtschaft. Mechtgret wohnt in der Innenstadt. Mechtgret mag weder Pizza noch Pasta, Döner noch Gyros und noch nicht mal Zazicki (eine Art südkroatisches Ragout von jungen Ziegen). Und der Verweigererbewerber? Der bekam zwei Stunden später abermals einen Anruf. Mit dem Vorschlag, künftig bei jeder Fehlbestellung eine betriebsweite Gedenkminute an die Opfer unverlangter Werbung einzulegen.
Epilog: Liebe Kinder! Unter falschem Namen und mit unterdrückter und statt dessen falsch angegebener Telefonnummer bei Werbeverweigererverweigerern ganz viel Pizza, Pasta, Döner und Gyros oder was auch immer an eine ausgedachte Adresse am anderen Ende der Stadt zu bestellen und hinterher noch mitzuteilen, daß das ein Racheakt war, das ist nicht erlaubt. Genausowenig wie das Einwerfen von Papier in Briefkästen von Werbeverweigerern!