DavidBLN.de

24. Februar 2009

Ich krieg’ die Krise!

Okay. Wir wissen: Es wurde zuviel gezockt. Mit zuviel Geld gespielt, das es nur in Form papierener Boni gab, dem kein realer Wert entgegenstand – außer vielleicht die Arbeitskraft und/oder die Gutgläubigkeit eines Haufens einfältiger Tölpel, man möge mir den Ausdruck verzeihen und bei Belieben durch “kleiner Leute” ersetzen, auch wenn ich diesen Diminuitiv, weil inflationär verwendet, verabscheue.

Doch was war, ist längst gewesen. Weiter geht’s, vor allem in Nordamerika, mit einem Aufschwung auf Pump, einem Leben auf Kredit, einem heutigen Verheizen morgen noch nicht ganz ausgewachsenen Brennholzbestandes. Fleißig wird insbesondere jenen Branchen das Säckel aufgefüllt, die einzig durch die eigene Selbstüberschätzung, fehlende Inspiration oder den warmen Mantel lobbyistischer Seilschaften überhaupt bis an den wirtschaftlichen Abgrund oder gar einen Schritt weiter gekommen sind. Womit? Natürlich mit den Geldern, die wir oder die uns Nachfolgenden erst noch verdienen sollen. Daß man statt dessen einmal, ohne sich gleich einem klassisch-kommunistischen Denkmodell zu ergeben, ernsthaft mit grundlegenden Modifikationen des offenkundig für den Betrieb sozialer Gemeinwesen (wie beispielsweise Nationen) untauglichen angelsächsischen Kapitalismus – es sei als Beispiel das bewährte Modell “Erhardt” erwähnt – auseinandersetzt: Völlig undenkbar.

Immerhin möchte man sich da, frei nach Liebermann, endlich mal wieder ordentlich den Bauch vollschlagen. Was ja dann auch gleich der Gastronomie als ohnehin – Christian Rach beweist es wöchentlich am Montag – besonders gebeuteltem Wirtschaftszweig (o Doppeldeut!) zugute käme und etwas von einem löblichen “wir trotzen der Krise” hätte.

À propos Krise: Was mich am meisten, um es doch noch beim Wort zu nennen, ankotzt an dieser Geschichte, ist, daß sie im wesentlichen aus Talkshows besteht, in denen viele sich eifrig gegenseitig besuchende Experten uns erzählen, wie schlecht es steht. Selbst seriöseste Medien ergehen sich genüßlich darin, uns klarzumachen, daß es Zeit ist, den Riemen enger zu schnallen und die Ansprüche zu senken. Schon schreiben (natürlich porschefahrende und bonusverwöhnte) Firmenvorstände eifrig Briefe an die Belegschaften und weisen darauf hin, daß man froh sein solle, nicht gekündigt zu werden und nur ja nicht auf die Idee kommen sollte, auch noch Gehaltsforderungen zu stellen.

Und nicht vergessen: In Afrika hungern sie.


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