DavidBLN.de

7. Juni 2009

Verdient verlieren

Von einem tollen Europawahlkampf sprach Franz Müntefering, seines Zeichens und (wenn auch unausgesprochenen) Selbstverständnisses vermutlich der letzte echte Sozialdemokrat. Ich hingegen kann mich vor lauter tollem Wahlkampf gar nicht entscheiden, was genau er von jenen strategischen Meisterleistungen, die seine Partei nicht mal zweistellig vor den Grünen liegen lassen, meinte:

Wahlplakat der SPD: Der Kandidat soll für den Bundestag gewählt werden. Oder für Europa. Oder was auch immer.

  • Ein Plakat wie dieses hier, von dem man nicht weiß, was es sagen will:
    • Wir sind in Wirklichkeit Grüne und haben uns entschlossen, immer alle Plakate bis zum Letzten zu verwerten?
    • Der Typ hat es schon nicht in den Bundestag geschafft, nun helft ihm wenigstens nach Brüssel?
    • Der geht uns im Bundestag einfach nur auf den Sack, also bitte: Weg damit Richtung Westen?
    • He, Wahlvieh. Sonntag kreuz machen. Egal wofür, egal für wen, Hauptsache für uns. Den Rest verstehst Du eh nicht?
  • Plakate, in denen klar wird, daß alle anderen (Finanzhaie, heiße Luft & co.) für irgendwas stehen, nur man selbst nicht?
  • Plakate, auf denen sich der vermutlich einzige halbwegs leidenschaftliche Europäer der SPD, Martin Schulz, mit dem nur teilweise gelungenen Schröder-Klon Frank-Gerhard Steinmüller, pardon: meier ein gleicher Pose zeigen ließ wie weiland das Triumvirat aus dem echten Schröder, einem immer noch angeblich radsportlichen und vermutlich poolplanschenden, damals zukünftigen und heute ehemaligen Verteidigungsminister und der Nemesis aller verbliebenen und mehr dem neuen Mitte(lmaß) denn dem Sozialen zugewandten Roten: Oskar Lafontaine.

Was macht der eigentlich? Bislang hält er einen guten Teil jener Wählerstimmen, die den Restroten fehlen. Und das nun schon mit ziemlicher Ausdauer. Man darf gespannt sein, wann er ebendiesen symbolisch die Hand reicht. Und noch mehr, wann die einschlagen. Denn da bin ich mir inzwischen sicher: Ob heißt die Frage spätestens ab Herbst nicht mehr. Und langsam glaube ich, das ist auch gut so.


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