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19. August 2009

Des Kaisers neues Lenkrad

Der Nürburgring ist Paradeprojekt.

Sichert er doch der vom Kapitalismus gebeutelten Eifelregion nicht nur als Formel-1-Rennstrecke Milch, Honig und Wohlstand für alle[tm], sondern bietet außerdem auch noch eine prima Abenteuerstrecke für Sonntagsrennfahrer inklusive Ambulanzservice. Und das nach einem gründlich ausdifferenzierten Preissystem,…

Preisliste Nürburgring Nordschleife für Touristenfahrten: PKW und Motorräder zahlen das gleiche, sind jedoch jeweils separat aufgeführt.

…das jedoch in Zukunft noch deutlich individueller jeden einzelnen Fahrgast berücksichtigen will (wir haben das hier schon mal für Sie vorbereitet):

Preisliste Nürburgring Nordschleife für Touristenfahrten: Um diverse (gleichteure) Fahrzeuge ergänzt

Zugegeben. Die Nordschleife oder, wie eingefleischte Fans sie nennen: “grüne Holle”, ist schon ein Erlebnis. Eines, das nach Benutzung (als sonntags- oder auch werktagsrennfahrender Tourist) hungrig macht. Drum gibtgab es unmittelbar da, wo man einen dieser lebensgefährlichen Mannwerdungstrips beginnen und im Idealfall auch unversehrt beenden kann, bis vor kurzem auch eine Gaststätte namens, gut: nicht übermäßig kreativ, “grüne Hölle”. Dort bekam man Pommes, Würstchen oder auch Beifahrersprit mit 5 Oktan. Seitdem freilich König KurtMinisterpräsident Beck (genau: Der mit dem hingeschmissenen Laden vom Schwülowsee) ausgerechnet hier den 52. Bundesstaat von Amerikayes-we-can-this-also-Aufschwung West ausgerufen hat, heißt der Bin Laden “Devil’s Diner”, hat mitten im Mutterland des Saumagens zwar (anders als zu Birnes Zeiten) keine Wurstwaren mehr, dafür jedoch Rib Eye Steaks und Burger.

Dazu paßt, wie Arsch auf Eimer, das etwas entfernt am Zugang zu den Formel-1-Tribünen irgendwann in Zukunft mal neu eröffnete SealifeRingWorld Vision Centre Parkwerk, wo man in bester Disneylandmanier schon am Eingang wahlweise mit einem Franchise-Sandwich-Verkauf (der ebenfalls keine Würstchen hat), diversen Nippesläden und natürlich in Endlosschleifen unüberhörbar abgespielten Pompöshymnen aus ca. 273 Lautsprechern begrüßtauf Linie gebracht wird, um im inneren dann eine Achterbahn mit Extrembeschleunigung (irgendwann mal) zu überleben, heroische Werbefilme im 34D-Kino (die vierte Dimension sind hier Stroboscheinwerfer, die unkontrolliert und wirr mitten in den Raum blitzen, wenn es auf der Leinwand gewittert) durchzustehen und anschließend abermals in endloser Wiederholung auf ringsum angeordneten LCD für die “Fahr-Attraktionen” werbende lustige Disney-Club-Moderationspraktikantenverschnitte (”Hey, cool daß Du da bist! Hier geht es voll ab! Steig einfach mit Deinem Team ein!”) zu ertragen.

In diesem jedermann mit reichsparteitagstauglicher Flächendimension erschlagenden Nachfolgeprojekt des einstmals überschaubaren und irgendwie liebenswerten Ringmuseums gibt es sogar eine Art Kantine. Dort gibt es die Vielfalt der Küchen der Welt (apparently made by Knorr Caterplan), zu der zwar fix und fertig und nach Aussage des Personals

von chinesischen (oder waren es italienische?) Frauen kleingeschnittene

Currywurstatrappen, natürlich aber keine simplen wamen Würstchen gehören. Is clear.

Letzt nicht mindest besteht das “Ringwerk” vor allem aus einem tollen “walk-through-touch-(almost-)everything-love-our-sponsors-and-learn-gefälligst-english”-Museumssurrogat. Dort gibt es tolle Lern(bei)spiele wie:

und so fort. Außerdem kann man auch (einzigartig, meine Damen und Herren:) Playstation spielen (!!!!!1!). Vor allem aber kann man ein Formel-1-Lenkrad an einem tollen Infotainment Desk ausprobieren:

Kaiser ohne Lenkrad: Lenkrad-Ausprobierstand ohne Lenkrad.

Vorausgesetzt, es streikt nicht gerade “die IT”, so wie am RWE-Renn-Spiel-Simulator. Oder beim Playstation Truck Race. Oder am Aufladeautomaten für die “Ring Card”. Oder.

Also, wie gesagt: Ein Paradeprojekt, dieser new Nurburg Ring Entertainment Park. Die Parade wird abgehalten zu Ehren des Kaisers. Und seines neuen fashion styles. Or something.

Kaum zu glauben: Ich hatte an diesem Tag sogar noch richtig Spaß: Auf der wenige Kilometer entfernten Sommerrodelbahn. Betulich, angestaubt, kein Eintritt, vier Runden sechsfuffzich. Einfach. Schön!


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