Ok. Eigentlich wollte ich über den Akustikspam, den irgendeine Montagmorgengemeinschaftsblährunde in der German Bahn Interneschenel AG-Zentrale sich ausgedacht hat, um der nervigen und allgegenwärtigen “wie können wir uns denn noch besser als zeitgemäßes Unternehmen darstellen (und insbesondere noch ein paar Taler extra verdienen)”-Frage des Gruppenvorsitzenden irgendwas vermeintlich substanzielles entgegensetzen zu können, gar keine Worte verlieren, weil darüber bereits ganze Bücher erschienen sind und selbst so ziemlich jeder einzelne Bahnschaffner, den man darauf anspricht, hinter vorgehaltener Hand seufzt und das ganze noch peinlicher findet als man selbst.*
Das hat mich freilich nicht davon abgehalten, vermittels des, nu, etwas eigensinnigen Kontaktformulars dieser leider nur noch ehemaligen Deutschen Bundesbahn meinem Unmut über diese multilingualen Wortschwälle Luft zu machen. Erheiternd fand ich die Antwort, die die Firma tatsächlich wenig später an, ok: nicht direkt mich:
Sehr geehrter Herr Kunde,
aber immerhin überhaupt schickte:
Wir bedauern, dass Sie mit dem Service der Deutschen Bahn nicht zufrieden sind.
So weit, so schlecht. Und nun kommt natürlich nicht der Teil, den man sich wünscht, im Sinne von: Wir werden das mal auf uns wirken lassen und drüber nachdenken, sondern wie allgemein üblich (wenn auch dadurch nicht im entferntesten gutzufinden!) der Sermon, der mich überhaupt nicht interessiert, auch, wenn es zunächst schmeichelhaft kommt:
Nach Rücksprache mit unserem Fachbereich „Borddienste“ können wir Ihnen mitteilen, dass die Vorgaben für die Ansagen in unseren Zügen vor einigen Monaten geringfügige Änderungen erfahren haben. Wie Sie ganz richtig schilderten, werden nun im Anschluss an die Begrüßung der Zugestiegenen bestimmte, in der Bordgastronomie erhältliche Speisen beworben.
Wow. Ich habe mir also nichts ausgedacht und auch nichts eingebildet: Ich hatte tatsächlich Recht! Wenigstens erkennt das mal jemand an. Aber jetzt wird es geradezu entwaffnend ehrlich, denn den nächsten Teil hätte ich in dieser Offenheit so nicht erwartet:
Erfahrungsgemäß sah sich durch das vormals angewandte Konzept leider nur ein Teil unserer Gäste dazu veranlasst, die in den Zügen vorhandene Bordgastronomie in Anspruch zu nehmen.
Mit anderen Worten: Unsere Pampe lockt keinen Förster aus dem Gebüsch und keine Oma aus dem Abteil. Menno! An den Preisen kann es ja wohl nicht liegen! Und am Essen ja wohl auch nicht, schließich kocht das dieser Dingens-Koch mit den anderthalb Bummens-Sternchen!. Daß die das auch noch zugeben: Hut ab. Aber jetzt mal ehrlich: Nur ein Teil. Und nicht etwa jeder. Unglaublich. Daß es Leute gibt, die in einen Zug steigen, ohne was zu essen zu kaufen. Wozu fährt man schließlich Zug? Um pünktlich anzukommen etwa? Oder in Ruhe zu reisen? Ts.
Aber die können noch lustiger:
Erklärend möchten wir hinzufügen,
…und zwar zum besseren Verständnis, damit Sie in etwa verstehen, was wir meinen, daher sagen wir es mal ungefähr so: Die Sachlage ist in etwa folgende (usw. usf.)…:
dass unsere Bordbistros und Bordrestaurants wie normale Bistros und Restaurants funktionieren.
Ist klar. Der russische Italiener von umme Ecke läuft auch alle halbe Stunde um den Block und verkündet per Lautsprecher jedem, der sie nicht hören will, seine Speisekarte.
Wir wünschen uns Gäste, die dort etwas essen und trinken.
Ich hingegen wünsche mir
- Mehr Geld. Aber so vielen Leuten ich das auch erzähle: Es will einfach nichts dazukommen.
- Pünktliche Züge. Haha, kleiner Scherz.
- Ruhe beim Bahnfahren. Oder nein, ich wünsche mir, wieder Bahn fahren zu können. Und nicht in einem ganz normal funktionierenden Bistrorestaurant mit zusätzlichen Sitzplätzen, auf denen man demnächst noch scheel angeschaut wird, wenn man da ganz ohne was zu kaufen einfach rumsitzt oder womöglich mitgebrachtes verzehrt.
Uns ist bewusst, dass unsere besten Kunden, wozu wir Sie zählen dürfen, mit den angebotenen Gerichten – einschließlich der damit verbundenen Serviceleistungen – vertraut sind. Insbesondere im Interesse aller Reisenden im Zug können und wollen wir – als Gastgeber – auf Informationen dieser Art jedoch nicht verzichten. Wir bitten deshalb um Verständnis dafür, dass unsere Ansagen stets einen Kompromiss zwischen den zweifelsohne verschiedenen Erwartungshaltungen unserer Kunden darstellen.
Aha. Also kann ich als einer Eurer besten Kunden ja doch nicht so wichtig sein, wenn die restliche Herde auf Kosten meines Trommelfells mit allen Mitteln zum Trog getrieben werden muß.
Wir stimmen Ihnen dahingehend zu, dass unsere Zugbegleiter und Zugbegleiterinnen dem Informationsbedürfnis unserer Kunden…
(…wir sollten ja wohl davon ausgehen, daß der Karnevalsgedanke Vorrang hat, weil ja die Begriffe “Frau” und “Umwelt” in den Karnevalsgedanken einzubringen sind…)
…im Rahmen Ihrer Möglichkeiten nachkommen sollten.
Im Rahmen WESSEN Möglichkeiten? Meiner? Schön wär’s.
Wir sehen dies als unsere Pflicht an. Dass unsere diesbezüglichen Anstrengungen während Ihrer Fahrten nicht erfolgreich waren, bedauern wir sehr. Ihre Kritik haben wir selbstverständlich intern erfasst und leiten diese an die verantwortlichen Stellen weiter.
Jupp, danke, nicht nötig. Wie üblich stets bemüht, aber laßt mal. Ich fahr in Zukunft wieder Auto, da hab ich meine Ruhe und komm genau so unpünktlich an. Und kann, wenn ich doch mal Hunger habe, fressen fahren wo immer ich will. Ganz ohne Ansage. Denn selbst die kann ich nach Belieben ein- und ausschalten und genau so gesprächig einstellen, wie es mir paßt.
*Das habe ich sogar mit Zeugen, Freunde.