DavidBLN.de

2. Januar 2010

Verdammt, ich lieb Dich…

…oder auch nicht. Kennen wir, war dieser blonde Schmalztopf aus Oldenburg. Oder sein Föhnwellenschwippzwilling. Schizophrene Störungen hatte der, was er in dem genannten Kirmes-Schlüpferstürmer-Schlager ja auch rundheraus einräumt. “Kein Wunder, bei der Fresse”, mag man denken. “Kein Wunder, bei der aufgeblähten Größe”, das mag man in dem nachfolgend geschilderten, zwar völlig anderen, aber dennoch ganz ähnlich gelagerten Fall unterstellen. “Verdammt ich will Dich nicht”… und dann aber wieder auch doch – das war und ist das konsequente Motto einer Bank, die es eigentlich nicht mehr gibt.

Aus Gründen, die hier nicht her gehören, war ich, bis uns die Schere vor einigen Wochen trennte, Inhaber einer “Vodafone Stars Mastercard”, eines jener Kredit-und-Kundenkarten-Bonuspunkte-Kooperationskonstrukte, wie es sie heute schon fast von jeder besseren Dönerbude gibt. Besonders bemerkenswert daran ist, daß diese Citibank-Karte zu den (für jemand wie mich) archaichschsten Produkten überhaupt gehörte: Eine unberechtigte Buchung (wie sie manchmal, besonders gerne von unseriösen Gastwirten vorgenommen wird) zurückgehen lassen, das ging zum Beispiel nicht etwa über die – natürlich nur per “Sonderrufnummer”, sprich: zum Abzocketarif erreichbare – “Service”-Hotline, sondern

bitte immer per Fax, denn wir brauchen ja schließlich etwas mit Ihrer Unterschrift drauf.

Natürlich, deshalb hatte ich auch eine sogenannte “T-Pin”, die mich bei Telefonanrufen ausweisen sollte. Dieses komische Internetz, mit dem man bei anderen Banken per Mausklick Reklamationen abfackeln kann, ähm, Inter-was? Auch die monatliche Abbuchungsrate (der Rest wurde zu günstigen 61% p.a., oder auch 16, keine Ahnung mehr, berechnet – willkommen im Schuldenparadies) festlegen – mittels diesem Interdingensnetz natürlich nicht. Schriftlich und mit Durchschlag per Einschreiben, so viel Zeit muß sein. Oder, da war man fortschrittlich, per kostengünstiger Servicerufnummer, siehe oben.

Aber, ich bitte um Nachsicht mit einem älteren Herren, ich verliere mich in verklärten Erinnerungen. Anlaß für die heutige Erwähnung hier bot natürlich ein durchweg heiterer Anlaß. Ja, ehrlich, ich habe – und zwar zum ersten Mal in diesem jungfräulichen neuen Jahr – herzlich gelacht, nach Öffnung meines Briefkastens. Und das kam so: Die eingangs genannte Karte hatte ich seit etwa 2004. Sie bot, bei aller Mühsal, ein paar ganz nette Konditionen, vor allem, wenn man einen gewissen Jahresmindestumsatz erreichte (was mir persönlich, im Gegensatz zum provisionsgebeutelten Händler, keine Nachteile gegenüber anderen Zahlarten bedeutete). Aus Gründen, die sich meiner Kenntnis entziehen und die offenbar eine ganze Zeit lang auch nicht bis zu mir durchdrangen (Kommunikation ist alles, wie sich gleich noch zeigen wird), wurde die Kooperation zwischen der Telefonfirma und der ehemaligen amerikanischen Pleitebank offenbar schon vor über einem Jahr beendet. Und so erhielt ich, kurz nachdem ich binnen weniger als einem Dritteljahr bereits den Mindestumsatz erbracht hatte, folgenden Brief:

Sehr geehrter Herr Bln, / wir freuen uns sehr, dass Sie eine Kreditkarte nutzen, die wir in Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner Vodafone anbieten. Leider endete diese Kooperation zum 31. Dezember 2008 und wir werden diese Karte in Zukunft nicht mehr anbieten. Bis zum Ende dieses Jahres haben Sie letztmalig die Möglichkeit damit Bonuspunkte zu sammeln. Diese werden Ihrem Vodafone Kundenkonto anschlie3end gutgeschrieben und können wie bisher eingelöst werden. / Sichern Sie sich jetzt unser attraktives Anschlussangebot. / Sie möchten weiterhin weltweit flexibel und sicher bezahlen? Und überall in Deutschland und der Euro-Zone kostenlos Bargeld abheben? Auf Wunsch stellen wir Ihre aktuelle Karte gerne auf eine PlusPunkt Kreditkarte um, damit Sie bald von den vielen neuen Vorteilen profitieren: / [und so weiter und so fort]

“Schön”, habe ich mir da gedacht. Erst mal noch schön Umsätze abgreifen und dann kurz vor knapp Arschlecken Dreifuffzich. Nix da. Ich hatte einen Vertrag bis Mitte 2010 und pax sunt servandas, oder so ähnlich. Ich also kurz und knapp zurück:

ich [bin] an einem Substitionsprodukt nicht interessiert [...] vielmehr bestehe ich auf Erfüllung [...] der Vertrag beinhaltet eine Vorausleistungsvereinbarung für jeweils ein Kalenderjahr (unter anderem hinsichtlich [Erstattung der Jahresgebühr] [...], der ich bereits durch Entrichtung des Jahresbeitrags sowie Erreichen der Umsatzgrenzen für die Erstattung nachgekommen bin.

Ich gehe also davon aus, meine o. g. Karte vertragsgemäß bis einschließlich Juni 2010 nutzen zu können.

Nicht, daß ich ernsthaft erwartet hätte, daß ein bereits gefallener Entschluß für einen unwichtigen Kunden revidiert würde. Aber ich bin ja nun mal gerne querulant (adj.). Immerhin: Nur acht Tage einschließlich Wochenende brauchte der Postcomputerpraktikant für 2einhalb Textbausteine:

Sehr geehrter Herr Bln, vielen Dank für Ihre oben genannte Anfrage. Sie teilen uns mit, dass Sie Ihre Vodafone Karte weiterhin nutzen möchten. Wir bedauern sehr, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir zukünftig keine MasterCard mehr anbieten und daher eine Nutzung Ihrer Vodafone Karte nicht möglich sein wird. Gerne würden wir Ihnen daher alternativ die Konvertierung in die Citibank VISA Classic anbieten. [ist klar - und so weiter] Sofern Sie diese Weiterführung ablehnen, wird Ihre Karte geschlossen und die Jahresgebühr wird Ihnen anteilig erstattet.

Soso, immerhin. Anteilige Jahresgebühr, na prima. Konditionen ändern sich nicht, alles klar, außer daß das Kind dann nicht mehr Master Sondern Visa heißt, nicht mehr umsonst ist sondern kostet und nicht mehr die Bonuspunkte bringt, die ich bisher schick fand. Alles klar. Dann mal sehen, wie es weitergeht, aber vorsorglich mal die Fronten klären:

die Gutschrift der anteiligen Jahresgebühr veranlassen Sie bitte unverzüglich, sodaß diese im Rahmen der nächsten Abrechnung ausgewiesen wird. Die Ihnen erteilte Einzugsermächtigung widerrufe ich mit sofortiger Wirkung.

Resultat? Zunächst einmal keines, außer, daß man mir nun vorwirft, bei nie stattgefundenen Anrufversuchen (die ich mir jedoch auch vorher schon verbeten hatte und deshalb nicht beantwortet hätte) nicht erreichbar gewesen zu sein, so tut, als sei das Bestellen des Ersatzproduktes meine heilige Reichsvaterlandspflicht gewesen und mich letztich dafür schilt, daß mich das Ersatzangebot einfach nicht interessieren will:

Sehr geehrter Herr Bln, im Oktober haben wir Sie darüber informiert, dass wir Ihre bestehende Kreditkarte ab Februar 2010 umstellen. Für die Umstellung Ihrer Kreditkarte baten wir Sie, den erforderlichen Rücksendecoupon zu unterschreiben und bis zum 16. November 2009 an uns zurückzusenden. Zusätzlich haben wir versucht Sie telefonisch zu kontaktieren, weil wir bisher leider keine Einverständniserklärung hinsichtlich der Kartenumstellung von Ihnen erhalten haben. Da wir Ihre Kreditkarte mit den bisherigen Konditionen nicht mehr anbieten, sind wir heute bedauerlicherweise gezwungen, Ihre bestehende Vodafone Kreditkarte [...] zu kündigen.

Das war übrigens der Moment, wo ich beschlossen hatte, daß außer herzaftem Lachen keine weitere Reaktion mehr nötig wäre. War auch nicht, denn weiter ging es – dann sogar gleich im Doppelpack, zwei an einem Tag (natürlich in separater Verpackung), heiter bis ulkig:

a) Man gibt sich ahnungs- und willenlos. Am abweichenden Druckbild gut erkennbar: 1. (positiv) Erstmals beschäftigt sich jemand individuell mit dem Thema. 2. (negativ) Leider ohne Zusammenhangs- oder Kommunikationskompetenz.

Sehr geehrter Herr Bln, vielen Dank für Ihr Fax. Bitte teilen Sie uns mit, warum die Jahresgebühr anteilig erstattet werden soll. Vielen Dank. Mit diesem Schreiben bestätigen wir den Widerruf der Einzugsermächtigung. In Zukunft erhalten Sie mit jeder Rechnung einen Uberweisungsträger.

b) Man weiß vermutlich auch weder, daß die Jahresgebühr dreisterweise bereits erstattet wurde, noch, daß das mit der Abbuchung im Rechnungscomputer selbst nach zwei Wochen noch nicht angekommen ist. Dafür empfiehlt man mir auch fürs kommende Jahr den fleißigen Einsatz meiner Karte, haha, und kündigt nebenbei – unterstr. d. zahlr. Abk. – den Transfer “bestimmter” persönlicher Daten (über mich!) an irgendeine Klitsche in Übersee an.

[...] Auch im nächsten Abrechnungsjahr erstatten wir Ihnen gern die Jahresgebühr, sobald Sie den Mindestumsatz erreicht haben. [...] Mit 3D Secure ab Feb. 2010 noch höhere Sicherheit für Ihre pers. Daten beim Einkaufen im Internet: Unserem Dienstleister Arcot Intern., Inc., 455 W.Maude Ave., Sunnyvale, CA 94085, USA (Safe Harbor zertifiziert), senden wir ausgewählte Daten [...] DER FÄLLIGE BETRAG [...] WIRD VON IHREM KONTO [...] EINGEZOGEN.

Nun, der kurze Hinweis, daß jeder Abbuchungsversuch mindestens kostenpflichtig und eventuell belangt würde, hat dann doch noch gewirkt und es kam, obwohl ein Einkauf über Stücka 12 Euro noch nicht abgerechnet ist, erstaunlich lange gar nichts mehr. Bis heute. Da kam das, was mich diese Buchstaben- und Bilderwüste hier erst aufschütten hieß:

Sehr geehrter Herr Bln, Ihrem Wunsch folgend bestätigen wir die Kündigung Ihrer Vodafone-Mastercard zum 28.12.2009. Dass Sie sich nicht für die weitere Nutzung Ihrer Kreditkarte entschieden haben, bedauern wir sehr. Sie können selbstverständlich jederzeit eine neue Vodafone Mastercard beantragen. [...]

Ha, haha, hahahahahahahahahahahaha, muahahaha, [.....], schnauf. Ihr seid so geil. Das wißt Ihr vmtl. gar nicht. Mal abgesehen davon, daß “zwei Monate” ab Ende November frühestens “Ende Januar” bedeutet: Hiermit danke ich (in alphabetischer Reihenfolge) Andreas, Bernhard, Carmen, Claudia, Ginia (war das “Vir-” ausverkauft?) und ihren vielen Freunden und Vorversetzten für diese längst überfällige Erinnerung eines an sich bequemen und “niemals ein funktionierendes System ändern” denkenden Artgenossen wir mir daran, daß man sich ab und an auf dem Markt umsehen sollte. Auch nach einer zeitgemäßen Kreditkarte mit Internetbanking, flatratefreundlicher Servicerufnummer mit normaler Ortsvorwahl und nicht minder attraktivem Bonussystem. Der Dank erfolgt im Namen der Landesbank Berlin und ihrem Werbepartner (und gleichwohl mir als zuverlässigstem seiner Art bekannten Versandhandelsbetrieb) Amazon. Gut, man soll den Tag nicht vor dem Abendbrot loben, wer weiß was ich einst über die “Amazon Visa Card” blocken muß. Aber das ist Zukunft. Heute ist freuen. Und singen. Ein Ständchen. Für die Bank, die demnächst anders heißt und “die Marke ‘Citi mit Arc Design’” nur noch kurze Zeit unter Lizenz nutzen darf:

“Verdammt ich brauch Dich… NICHT!”

Nachtrag: Das hier erklärt natürlich einiges.


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