Gleich vorweg: Obwohl es nahe läge, ich nenne es bewußt nicht Märchenstunde. Weil erstens Märchen mit “es war einmal” beginnen, was man von dieser pißgelben (”bürgerrechtsorientierten”) Neokapitalistenfraktion leider noch lange nicht behaupten kann. Weil zweitens Märchen (fast) immer gut ausgehen, was man von allem, was diese bekennenden Staatsfeinde sich mal in den Wasserkopf setzen (ohne jemals Wasser zu lassen) leider nicht behaupten kann, wenn man nicht gerade zu der überschaubaren Anzahl direkt verflochtener Profiteure gehört. Und drittens, weil Märchen eher im prosaischen Sinne einen geschichtlichen Aspekt haben, das Folgende aber leider im historischen Kontext zu betrachten ist.
Also, aufgemerkt: Vom Onkel Otto könnt Ihr noch was lernen. Zum Beispiel, daß die erfolgreiche Zerschlagung des fortschrittsfeindlichen Staatstelefonmonopols in Deutschland entgegen allen kommunistischen Legenden deutlich vor 1980 stattgefunden haben muß:
Wenn die Kunden heute noch den Telefonverkehr im staatlichen Monopol hätten, dann hätten wir immer noch unsere Drehscheibentelefone. Jeder Fortschritt wäre ausgeschaltet, weil es kein Interesse daran gäbe.
Das ist doch mal konkrete Ansage! Denn ein sogenanntes FeTAp_75 gab es im Freundeskreis bereits lange, bevor Ottos Vorfahren (zusammen mit Birnes Freunden) überhaupt aktiv mit dem Zerschlagen hätten loslegen können. Und nur kurz nach dem Beginn der bis heute andauernden Restaurationsepoche besaßen wir sogar ein “KTel 373″ (in der weißen Edelausführung).
Gut, wenn der Onkel Otto kein freiheitlich-kapitaler Prinz, sondern ein Ost-Otto wäre, könnte man ihm die verschobene Zeitlinie nachsehen. Ist er aber nicht. Stattdessen weiß er um den Segen des privatisierten Menschheitsfortschritts noch deutlich besser Bescheid:
Daß Druck das[tm] Mittel ist um gut zu arbeiten. Daß das insbesondere für die Bahn gilt (die ist heute schließlich deutlich zuverlässiger als in alten Reichsbahntagen). Daß erst durch Privatisierung neue Sachen erfunden werden – man denke nur an Frankreich, das bekanntlich noch nie eine Staatsbahn hatte und nur so zum weltweiten Schnellzugpionier werden konnte. Oder an das Mekka der urinfarbenen Manchesterkapitalisten, das Land der absoluten Merk-, äh: Marktfreiheit: Die konsequente Auf- und Übergabe des Staatsnetzes in den verantwortungsvollen (Hände)druck ausschließlich kundenorientierter Investoren führte dort erstmals in der Geschichte zu einem vorbildlich instandgehaltenen Streckennetz, höchster Kundenzufriedenheit und sekundengenauer Pünktlichkeit.
Also, wer will hier noch mal gleich den Fortschritt behindern? Ich jedenfalls nicht. Nicht den von Leuten wie Prinz Otto. Fort, je forter, desto besser.
(Via)