DavidBLN.de

23. Januar 2010

Nieder mit dem Kitata!

Wer den Schutzpatron dieses Blocks noch zu Lebzeiten in der Rolle seines Lebens kannte, wird sich, wie ich, jener Altersgenossen entsinnen, die, sei es in Kindergarten, Vor-, Grund- oder Oberschule von der überwiegenden Mehrheit – und zwar: mit gutem Grund – als verweichlichte, unselbständige Püppchen gemobbt wurden.

Das Anrecht auf diese tägliche Ehrerbietung bezogen sie aus der Tatsache, nicht, wie die von Anfang an zur Selbständigkeit erzogene überwiegende Mehrheit, mit Bahn, Bus, Fahrrad oder zu Fuß in die Gruppentherapie zu kommen, sondern von ihren übermäßig besorgten, gar zu fürsorglich gluckenden Altvorderen bis kurz vor den Klassenraum gefahren oder zumindest die letzten Meter geleitet worden zu sein.

Sei dem wie ihm sei: In meiner subjektiven Erinnerung machen diese an sich bedauernswerten Küken die absolute Minderheit aus. Was auch gut so wäre, wenn ich mich nicht – auch ob der gleich mehreren, unglücklicherweise auf meinem täglichen Arbeitsweg liegenden Kindergärten und Schulen – Werktag um Werktag über die unzähligen weiblichen und männlichen* Muttis ärgern müßte, deren rudimentäre Verkehrsteilnahmeaufmerksamkeitskompetenz dank hoffnungsloser Überforderung durch Parkverbote direkt vor dem Objekt, Unwägbarkeiten mit dem Isofix-Kindersitz (und/oder dessen Insassen) oder auch schlicht mit der Komplexität des in der Regel verbrennungsmotorbetriebenen Kinderwägen bereits überreizt ist und die deshalb entweder sämtliche Rad- und Gehwege sowie Fahrspuren mit oder ohne unrechtmäßig gesetzten Warnblinker blockieren oder aus Einfahrten geschossen kommen.

Angesichts der besorgniserregend wachsenden Massen dieser Kitata**fahrer stellen sich etliche Fragen:

  • Wenn diese Hirbels in meiner Jugend Maienblüte eine absolute (und zu Recht hassenswerte) Minderheit waren, warum gibt es heute, da meine Generation genau die verdächtige Altersgruppe bildet, so viele dieser GluckInnen:
    • War der einstmals einstimmige Protest gegen das Kindertaxi
      • verkappter Neid?
      • Mitläufertum, obwohl man es eigentlich selbst gern bequem gehabt hätte?
      • Kognitive Dissonanz, weil die eigenen Eltern sich schlichtweg kein Zweitauto für Mutti leisten konnten?
    • War ich ausnahmslos in Ausnahmegruppen?
    • Sind “die Kinder”[tm] und ihr Schulweg das wahre Primärziel terroristischer Strategien?
  • Warum gibt es nicht längst McDrive-Kindergärten und -Schulen mit bequemen Ausladerampen direkt am Betreuungs-/Klassenraum?

Liebe zu Fuß, per Fahrrad oder mit Bus und Bahn reisende Kinder: Obwohl oder weil Ihr mittlerweile eine Minderheit seid, fühlt Euch als auserwählte. Mobbt die Püppies, gebt ihnen abwertende Necknamen, ignoriert sie und spielt nicht mit ihnen auf dem Pausenhof. Und sagt ihnen ruhig, warum. Damit ihre Eltern es (wieder) lernen und ich wieder in Ruhe zur Arbeit fahren kann.

*Typ: Wickelkursteilnehmer, Kinderwagenschieber oder auch Kindertrageschlaufevorderbrustträger
**Kindertagesstätten (etc.) Taxi


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