DavidBLN.de

28. Februar 2010

Autismus

“Autismus” und “Auto” haben theoretisch erst mal relativ wenig miteinander zu tun. Praktisch indes schon mehr, und in einigen Fällen muß man sonstige, über den identischen Wortstamm hinausgehende Vergleiche gar nicht selbst anstellen – das tun andere bereits.

Mit geradezu entwaffnender Ehrlichkeit betätigt sich Internetnenminister (hoppla, schon wieder eine gleich klingende Vorsilbe!) de Maizière nämlich als (Gast-)Qualitätsjournalist und erklärt uns, was er – und vermutlich seine Kollegen aller möglichen Parteifarben – an vernetzter Medienkompetenz mitbringen:

[D]ie größte Herausforderung besteht darin, dass wir im Internet heute fast alle ohne Orientierungshilfen unterwegs sind. Es fehlt ein klarer Standort, es fehlen Karten und Navigationssysteme.

Lieber Herr Minister, das tut mir aufrichtig leid. Ich kann es gleichwohl gut verstehen: Dieses “Internetz”, das da in den letzten neuneinhalb Wochen wie aus dem Nichts über unser schutzloses Volk, über unsere innovativen Leistungsträger, (natürlich!) über “die Kinder”[tm] und vor allem über staats- und schlipstragende Damen und Herren mit Kugelschreibern hereingebrochen ist, muß ja erst mal gründlich von einer Expertenkommission untersucht werden, bevor man es auf die Welt (die sich bekanntlich ungefähr zwischen MaasRhein und MemelElbe, EtschInn und BeltNord-Ostsee-Kanal abspielt) einfach so loslassen kann.

Stellen Sie sich nur einmal vor, was geschehen wäre, wenn damals[tm], so anno 14hundertdrölfzig, einfach plötzlich jeder hätte Bücher lesen können, so ganz ohne Fahrplan und Navigationshilfe: Das Abendland hätten wir gar nicht mehr erlebt. Und deshalb gebe ich Ihnen Recht:

Am Anfang selbstbestimmter Freiheitsausübung steht die Aufklärung.

Daß “die Netzcommunity” “Aufklärung” eventuell etwas anders übersetzt als etwa mit

dem neuen Personalausweis [...], um sich im Internet auszuweisen [und so ...] der Gefahr von Identitätsdiebstahl selbst vor[zu]beugen

oder auch mit

Leitplanken [...für...] das sichere Fahren,

die

eine ausgebaute Infrastruktur [verlangen],

die “leider noch fehlt” (na gut: Nicht wirklich, fürsorgliche Provider haben da ja schon in weiser Voraussicht für das Allgemeinwohl gesorgt) – das sind ja alles Marginalien, “Peanuts”, wie es anerkannte Leistungsträger gerne nennen.

Also, an die Arbeit! Bau auf! Gemeinsam bauen wir das Deutschlandnetz. Ganz sicher!

(via)


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