Für wie unverzichtbar ich die Ikonen einer auf “immer mehr” ausgerichteten bedingungslose Konsumgesellschaft halte, wissen die zweieinhalb Leser dieses Blockes. Was wäre ein Kuchen, der vor allem schmecken soll, ohne eine schicke Packung oder gar einen fetzigen Markennamen. Und vor allem: Was wäre ein Einkauf ohne die vorangehende (und, wenn es nach den hiervon lebenden Agenturen geht, allein oder wenigstens vorrangig ausschlaggebende) Reklame.
Nun, Spaß beiseite. Natürlich wird vor allem Reklame in ihrer Überflüssigkeit und angesichts ihres mittlerweile allgemeingültigen Fremdschämfaktors normalerweise nur noch von ihren Machern übertroffen. Aber es gibt Ausnahmen, ja, regelrechte Sternstunden. Ganzen Artikel lesen
…keine Zeit haben, sich die ohnehin schon schwere Arbeit einer Online-Annonce auch noch mit dem Erstellen und Hochladen von Bildern zu verkomplizieren und dies dafür mit dem Vorabausrechnen der (vom Mieter erwarteten!) Provision kompensieren.
Denn Inhalt ist bekantlich nichts. Image ist alles! Und 6,49 Euro für 2,5 Kilogramm solch cooler(!) Preßkohle ist nun wirklich geschenkt!
Ihr seht: Selbst ordinäre Fußvolk-Freuden wie “grillen” sind nun endlich in der stylishen Oberklasse angekommen!
Zusatznutzen: Kann man hinterher noch als schicke Designer-Einkaufstasche nehmen. Oder als Schlipsersatz. Oder als cooles Wandbild; der Haken zum aufhängen ist bereits im Preis enthalten!
Es ist eigentlich egal, ob ihr für Wasa, für Senseo oder für Mars arbeitet. Oder sonst irgendwo, wo der allgegenwärtige Götzengott des alternativlos-kapitalistischen Marktes – auch als “kontiniuierliches Wachstum” und “Profitmaximierung” bekannt – euch täglich Druck macht, sei es negativen (”wenn das nicht, dann müssen wir Sie leider”) oder anreizenden (”wenn Sie, dann kriegen Sie”). Es ist auch ganz egal, ob ihr euch selbst als “Produktmanager”, “Controller” oder “Consultants” bezeichnet. Ich verstehe euch. Wirklich. Nicht, daß ich mit euch tauschen möchte. Dieses tägliche Strampeln und Ellenbogengerangel habe ich noch nie gemocht, zumindest, seit ich das Spermienstadium erfolgreich hinter mir gelassen habe. Aber ich verstehe euch. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie das ist, wenn der gesamte Tages- und womöglich Nachtablauf einzig davon dominiert ist, immer noch mehr rausholen zu müssen (oder, wie man sich dann selbst gerne einredet: “zu wollen”). Und selbst, wenn das “wollen” nicht eingeredet ist und ihr ernsthaft davon überzeugt seid, daß das der Weg ist, wie die Welt ein besserer Platz werden kann (oder zumindest euer Vorgarten und die Garage): Sei es drum. Jeder wie er mag.
Ob nun also freiwillig oder aus “Sachzwängen”: Tut, was ihr tun zu müssen meint. Holt immer noch mehr raus. Nur eine Bitte habe ich dabei. Eine ganz kleine, dringende Ganzen Artikel lesen
Ich gehöre zu den Menschen, die nichts von “Kompromissen” halten. Wann immer ich aus dem Munde eines (Partei-)Politikers Wörter wie “Kompromißformel”, “Konsensbeschluß” oder auch “Handlungsfähigbleiben” höre (ein nerviger sauerländischer “Sozialdemokrat” hatte das Synonym von der Opposition, die Mist sei und der inzwischen “erfolgreiche” “realpolitische Flügel” einer angeblichen Umwelt- und Anti-Atompartei betet seit 20 Jahren vor, daß man sich lächerlich mache, wenn man “unrealistische” Forderungen stelle und so niemals regieren können würde).
Ich möchte aber hier das wahre Gesicht politischer “Kompromißbereitschaft” gar nicht näher beleuchten. Ich glaube, ich muß das auch gar nicht. Ich kann euch nämlich einfach ein Video einbetten, das in wunderbarer Weise zeigt, wo man endet, wenn man sich erst einmal brav auf den Weg des Kompromistes begeben hat.
Die Aufmerksamen unter Euch haben schnell gemerkt: Hier geht es nicht um den “WWF”. Hier geht es auch nicht um ein bißchen Regenwaldretten. In diesem seltenen Moment entwaffnender politischer Ehrlichkeit zeigt eine (wie ich finde: bedauernswerte und aufgrund dieses fundamentalen “Kommunikations-Desasters” sicher auch bald “untragbare” und deshalb arbeitslose) Person schlicht und einfach, wie unsere moderne, westliche, globalisierte, vorbildliche, fortschrittliche, überlegene (usw.) Welt politisch funktioniert. Wer im “Diskurs” zwischen “Wirtschaftsinteressen” und “sonstigem” die Hosen an hat. Wer in dieser zum Selbstbedienungsrestaurant verkommenen Welt Koch und wer Kellner ist.
Und ja, die Frau hat auch Recht: Wären Leute wie sie nicht als Feigenblatt dort, wäre “alles noch schlimmer”. Falls das denn geht. Und das liegt daran, daß wir immer noch nicht kapiert haben, daß die Welt nicht wie ein Zeitschriftenabonnement funktioniert, das man einmal bestellt und das einen dann für eine Laufzeit von vier Jahren mit den gewünschten und bestellten Inhalten beliefert, bis man wieder mal ein anderes bestellt. Diese unsere Demokratie, von der ich uns allen unterstelle, daß wir sie vor allem deshalb loben, weil sie so bequem ist wie eben ein Zeitschriftenabo oder ein Handyvertrag, funktioniert genau so, wie die Frau in dem Video das beispielhaft aufzeigt.
Ich möchte nur, daß ihr darüber mal gründlich nachdenkt.
Ja. Ich weiß. Das, worüber ich mich jetzt schon ein paar Tage lang fassungslos, sagen wir, verwundere, ist ein alter Hut. Ich bin erst kürzlich darüber gestolpert, weil mir der zur unterhaltungsfunklichen ÖPP “Song Contest” verkommene und mit Hilfe unbezahlter Praktikanten demnächst in Düsseldorf selbstverliebt veranstaltete einstige Grand Prix Eurovision de la Chanson heute noch viel weiter am Arsch vorbei geht, als er es zu Zeiten von “hihihihi, ne Gehirnzelle”-Nicole und Ralphs Igel schon tat.
Alles, was ich in Summe über diesen für den weiteren Weltverlauf in seiner Bedeutung noch hinter einem Sack asiatischen Getreides rangierenden Glitzer-Hokuspokus-Budenzauber behalten habe, ist die ungefähre Geschichte der deutschen VorausscheidungGanzen Artikel lesen
ein Dokument, das einen Anspruch auf eine Leistung repräsentiert bzw. dokumentiert.
In meinem persönlichen Empfinden, das selbstverständlich vollkommen objektiv, wert- und rechtsneutral ist, teilt man einen Gutschein dann aus, wenn man jemandem entweder aus purer (wenngleich meist kalkulierter) Nettigkeit oder aber aufgrund einer vorher erbrachten – wahlweise finanziellen oder sonstwie werthaltigen – Gegenleistung sein Anrecht auf eine entsprechende Rückvergütung nachweisbar dokumentieren möchte. Wer von uns würde mit dem Begriff “Gutschein” nicht sofort das assoziieren, was schon das Wort selbst verspricht, nämlich irgendein “Gut” (singular von “Güter”!), das es im Tausch gegen ebendiesen Schein gibt?
Leider ist all das nichts als graue Erinnerungstheorie vergangenheitsverklärender Gutmenschen wie ich einer bin. In der Realität des freien Marktes haben nicht nur unseriöse drittklassige Pizzabäckereien aus Kurfürstendammnebenstraßennebenstraßen das Wort mit “2 für 1″-Gutscheinen, die eigentlich “Rabattmarken” heißen müßten, ins Lächerliche überführt. Auch weltweit franchisegebende Bulettenbrötchenverteilstationen haben dies längst zum Usus aufgewertet. Und auch ein globale Ansprüche erhebender (und befriedigender) Handelskonzern wie der, den einst ein Herr Beisheim in schnöden Betonhallen nach oben päppelte, entblödet sich nicht, “Gutscheine” über “10 Euro” auszugeben,
die natürlich nur gültig sind
bei einem Einkauf von mindestensd 50 Euro,
aus zuvor festgelegten Warengruppen (”20% auf alles außer Tiernahrung, Kraftfahrzeuge, Fußnagelscheren, Streichhölzer und Vaginalsekretabsorptionsprodukte”),
Seit Jahren – schon, da Du noch gar nicht so hießest und das nicht pißWesterwelle-gelbe Band der SymAntipathie als Markenzeichen im Schilde und den Namen Dresdner Bank (oder im ehedem dem alliierten Sonderstatus unterliegenden Berlin [West]: “Bank für Handel und Industrie [BHI]“) in jedem Briefkopf führtest, ja, da Du noch von einem wenigstens oberflächlich gutbürgerlich, gemäßigt rheinisch-kapitalistisch und wertkonservativ statt von einem durch schlipstragende Werbefachberatungsarschrosettenkriechundneusprechexperten geprägten Außenbild zehrtest – zahle ich Dir nun im Wortsinne den Zins, selbst, wenn Du mir bisweilen einen Bruchteil davon als Nettoeffektivrendite zurückgibst. Ganzen Artikel lesen