DavidBLN.de

Abgezockt

Wozu anständig arbeiten, wenn das Volk sich auch so verarschen läßt?


29. August 2010

Bitte nicht spiegeln!

Eigentlich wollte ich hier irgendsowas wie den hundertmal variierten “jetzt schon im Fotoautomaten Burkaverbot” bringen. Aber viel bemerkenswerter finde ich den Hinweis auf die natürlich durch das Blitzlicht verursachte Spiegelung, die zu vermeiden sei.

Bildhinweise zur überwachungsstaatskonformen Pose (nebst schlechten Beispielen), die im Fotoautomaten einzunehmen sei

Was sicher ein Kinderspiel ist, da der Blitz ja die ganze Zeit in Aktion ist. Natürlich ist das Absicht und dient der verzweifelten und ideralerweise häufig genug durchgeführten entgeltlichen Wiederholungsfotografie.


18. Mai 2010

Glückssache

Normalerweise wird man ja von anderen übers Ohr gehauen. Es gibt aber auch Fälle, wo das nicht zutrifft, und in denen man dann zutreffend von Selbstbeschiß spricht. Ein Musterbeispiel dafür liefert ein Ort, den vor allem Artgenossen, die ihre Schaffenskraft an größere Firmen oder (auch, weil die Grenzen mit zunehmender Größe ohnehin verschwimmen) Behörden vergeuden, täglich aufsuchen. In einer idealen Welt dient dieser Ort der vorwiegend mittäglichen Versorgung mit Nährstoffen und wird in 108 Prozent aller Fälle als Kantine bezeichnet.

Nun kann man fragen, wo da der Selbstbeschiß ist. Und man könnte zur Antwort bekommen, daß das Wort auf Deutsch mitnichten ausländisch für Küche ist, sondern für Flaschenkeller, obwohl hier die Flaschen meist oberhalb der Souterrainlinie regenerieren und konsumieren. In Wirklichkeit liegt der Selbstbeschiß natürlich darin, daß der Annahme angehangen wird, es ginge hier um die regelmäßige Aufnahme notwendiger und schmackhaft zubereiteter, angemessen bekömmlicher Nahrungsmittel. Daß das so gar nicht sein kann, steht hingegen in praktisch jeder dieser Einrichtungen direkt oberhalb der Wochenkarte und beschreibt mit dem bescheidenen Wort

(Betriebs-)casino

eigentlich lückenlos die eigene Realität: Hier kann man täglich den Glutamat-Jackpot knacken, im Spiel E77 Fett absahnen, wie am Roulettetisch dreht sich das Rad stets im Kreis und wiederholt sich zuverlässig selbst, ja: Selbst, obwohl im Gegensatz zum papiernen Vorbild nicht immer ganz gleich aussehend, weiß man an der Losausgabe trotzdem nie, ob man es mit einem Steak oder einer Schuhsole, einem Gulasch oder einem faulen Ei zu tun hat. Und die Chancen, daß man tatsächlich einen genußvollen Sieg erringt, steigen proportional mit der Höhe des Einsatzes.

Nur eines muß man, anders als im wahren Leben, bei regelmäßigem Besuch nicht: Den Gürtel enger schnallen. Im Gegenteil.


12. Mai 2010

Danke für jedes neue Borgen…

…danke für jeden neue MarkEuro!

Oder, wie es der Kassenwart der nationalen Einheitsvertretung für Arbeits- und Stimmvieh ausdrückte:

Die Politik wird bei der Erfüllung einer schwierigen Aufgabe von Vertretern der Finanzwirtschaft nicht alleingelassen.

(Sollte eigentlich länger und “lustiger” werden, aber irgendwie wird man müde, sich ständig Lästereien zu Dingen auszudenken, die schon für sich so absurd, peinlich, lächerlich, beschämend sind, daß man, wenn es denn was brächte und noch irgendein geeignetes Ziel gäbe, sofort auswanderte.)


29. April 2010

Hahaha, ich kauf mir ne griechische Insel…

…hahahaha! Weil die alle faul sind! Und korrupt! Und doof! Und auf unsere Kosten leben! Also auf die unserer Leistungsträger, versteht sich. (Nicht auf die jener Schmarotzer, die selbst schuld sind, daß sie nicht ordentlich studiert haben und deshalb jetzt für drei Euro die Stunde putzen gehen müssen und dann unverschämterweise trotzdem noch uns Steuerzahlern auf der Tasche liegen, damit sie sich von ihrem Hartz IV dann Schnaps und Kippen kaufen können!) Haha! Witzig, wie? Griechen=Südländer=doof, Langzeitarbeitslose faul, sozial denkende sind weltfremde Utopia-Kommunisten….hahaha…endlich darf man wieder ungeschminkt Deutscher sein!

Wenn da nur nicht immer solche Querulanten (oder gar der böse Erbfeind!) daherkämen, die uns, dem (Lohnkostenoptimierungs)musterknaben erzählen wollen, wir (als Land) oder gar die systemrelevanten Leistungsturbobeschleuniger (die mit den Peanuts und den schicken Regenettungsschirmen) seien Schuld, und nicht die trägen Mittelmeer-Siesta-Schluderheinis. Schleicht Euch, damit man hier endlich wieder uralte Traditionen pflegen kann!


27. April 2010

Kleingartenzoologie

ICH habe ja, als ich diese Meldung zum Thema Würfelquallen gelesen habe, sofort an die beim Spiel gerne mal Torte essenden Rentner aus der Nachbarparzelle gedacht. Aber: Giftig waren die nicht. Und geräuschlos auch nicht, war doch das einzige, was man von denen überhaupt mitbekam, das regelmäßige Klackergeräusch kleiner Holzkuben, die auf ein Holzbrett purzeln.


26. April 2010

Billich willich. Nicht.

Ich muß das einfach mal schreiben, quasi aus sich potenzierend gegebenen Anlässen:

Liebe Zentraleinkäufer welchen Handelskonzerns auch immer: Steckt Euch bitte Euren #@$§%§# Chinaschrott in den von den Euch umgebenden Speichelleckern säuberlichst geschleckten Hintern! Danke!

Zum besseren Verständnis hier nur die Liste der (in jedem Sinne!) letzten sinnlosen Geldausgaben im Großmarkt meines künftigen Mißtrauens (der mit den fünf gelben Buchstaben auf blauem Grund, und das ist logischerweise nicht IKEA):

  • Deckenfluter, 35 Euro: Binnen zwei Jahren vier mal getauscht, immer wieder kaputt.
  • Fahrradstandpumpe: 10 Euro. Einmal getauscht, beide Male Schrott.
  • Fahrradhandpumpe Mini: 4 Euro, dreimal gekauft, dreimal Schrott.
  • Zeitschaltuhr mechanisch, 2 Euro, dreimal gekauft, dreimal Schrott.
  • Zeitschaltuhr digital, 7 Euro, nach nur einem Mal Schrott aufgegeben aus Zeitmangel.
  • Rucksack, 15 Euro: Nach sechs Monaten komplett im Arsch, Aussage des Abteilungsleiters: “Sie können für den Preis doch nicht zwei Jahre Haltbarkeit erwarten!”
  • Fahrradhelm, 20 Euro, einmal getauscht, zweimal Schrott. Ich habe jetzt ein Markenprodukt für 35 Euro. Super.

Eigentlich wäre die Moral von der Geschichte simpel: Hochwertige Markenware im Fachhandel kaufen und gut. Das Dumme ist nur: Bei Fahrradsachen mag das noch funktionieren, das habe ich auch bereits mit Erfolg überprüft. Bei Elektrokabeln wie jenem, das ich am Entfachen eines Küchenbrandes heute nur durch zufällige Anwesenheit und folgerichtiges Stromlosmachen am Sicherungskasten hindern konnte, stehen ordinäre Verbraucher wie ich vor einem Bezugsquellenproblem. Denn der vermeintliche Elektrofachhändler kauft sein Geraffel längst bei den gleichen dubiosen Asia-Großhändlern ein, wie es auch der Baumarkt mit dem Biber tut. An ordentlich hergestellte Ware käme ich also mit viel Glück noch, wenn ich selbst Elektriker wäre – oder mir für jedes Steckdosendistanzproblem einen ins Haus holte.

Merke: Dahin haben wir uns mit dem lächerlichen Glauben an “Geiz ist geil” selbst gebracht. Glückwunsch.


22. März 2010

Aber bitte mit Butter!

Im “Café Konditorei Rosgarten” in Konstanz – ausweislich an der Wand prangender Urkunden des Südkuriers für die Leser desselben immerhin das beste Frühstückscafé der Stadt 2008 (oder so) – wird einem viel geboten. Mit amüsanten Details wie der ohne Brezel (”sind gerade ausgegangen”) servierten Butterbrezel zum Preis von einem Euro (für die Butter, die man sich jedoch auch wahlweise wieder nachträglich vom Teller nehmen lassen könnte, Ordnung muß sein, und man hat sogar den Erlebnisfaktor der Auswahl!) will ich hier niemanden langweilen. Einen Dialog jedoch, der wirklich sein Geld wert ist, darf ich der geneigten Kundschaft einfach nicht vorenthalten:

  • “Was möchten Sie?”
  • “Ich wüßte gerne, was Ihr Studentenfrühstück kostet, wenn man nicht wie gewünscht einen Studentenausweis vorlegen kann.”
  • “Der Preis ist für Studenten.”
  • “Ja, ich weiß. Und was ist der Preis für Nichtstudenten?”
  • “Na der volle Preis.”
  • “Ja, klar. Wie lautet der denn?”
  • “Das ist, ähm, das wird, also ein Brötchen, eine Brezel [s.o., D.], ein Spiegelei….also auf jeden Fall teuer.”

Letzteres kann ich im Nachhinein bestätigen. Wenn ich auch im großen und ganzen nur eine Butterbrezel hatte. Ohne Brezel. Mahlzeit.

Nachtrag: Ich muß mich entschuldigen. Wenn man unterstellt, daß wir in 1900 Jahren immer noch mit Euro bezahlen und weiterhin annimmt, daß die Inflationsrate konstant bleibt, dann waren nicht nur die zehn Gramm Butter zu einem Euro geschenkt, sondern gleich das ganze Frühstück:

Auf der Internetseite des Café Rosgarten wird darüber informiert, daß heute Montag, der 22. März 3910 ist

Das nenne ich fortschrittlich und bin beeindruckt.


25. Dezember 2009

Alle Jahre wieder

…wird es, völlig überraschend und nicht im entferntesten voraussehbar, Zeit für das vermutlich den meisten mit dem Kreuz einer Mietwohnung geschlagenen Zeitgenossen reichlich unsympathische Ritual der Heizkostenzählerablesung. Genaugenommen: Das Ritual der Heizkostenablesungsterminwahrnehmung. Ganzen Artikel lesen


26. Oktober 2009

Ergebnis: Orientierungslos!

Erfolgreiches Marketing betreiben heißt ja bekanntlich, wenig bis keinen Inhalt so glanzvoll zu verpacken, daß der adressierte Käufer von diesem Glanz genug geblendet wird, um nicht zu sehen, daß auf dem Geldschein, den er dafür hinlegt, mindestens eine Null zu viel steht.

Mit gutem Beispiel voran geht ein inzwischen deutschlandweit operierender BuchMedienhändlerReinigungsUniversaldienstleitungsunternehmerkonzern. Ganzen Artikel lesen


25. Oktober 2009

Reinlich und peinlich

Liebe Hoteliers!

Es gibt viele praktische Dinge, speziell für Euer Gewerbe, über die sich jemand wie ich, der gerne reist (”wir reisen gerne!”), wirklich freut. Dazu gehören kostenlos nutzbare Internetanschlüsse im Zimmer (oder auch außerhalb davon), Miniteeküchen im Schreibtischformat oder auch einfach nur kostenlose Parkplätze am oder im Gebäude. Ganzen Artikel lesen


4. August 2009

1, 2, 3… bye bye!

Mein erster Einkauf bei Ebay war ein wirklich tolles Erlebnis. Raritäten, die man sonst nicht mal auf dem Trödelmarkt fand, zu Preisen, die man aus der (Achtung: Hinweis auf das später folgende Kernthema!) Portokasse zahlte von Leuten, die in erster Linie ihren Dachboden zu räumen hatten. Das freilich ist lange her. Und für mich seit heute endgültig Geschichte.

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16. November 2008

Durch die Maschen geschlüpft

Gehörst Du auch noch zu den Gegenwartsverweigerern, die noch nicht die dringende Notwendigkeit organisierten Netzwerkens erkannt haben? Na, dann hatten und haben wir was gemeinsam! Zugegeben: Zwischenzeitlich bin ich der Versuchung erlegen, auch mal daran zu glauben, daß, weil jeder jeden um drei Ecken kennt, sich daraus quasi automatisch riesige neue Jagdgründe, Einnahmen, Chancen und überhaupt: Kontakte auftun. Der rosaroten Brille aber von einer Dame namens Wirklichkeit schnell wieder beraubt, vermag ich – nur wenige Monde nach meinem Anknüpfen an Ling, Ping oder wie das Ding eben hieß – schon alle diese glückseligen Verheißungen in bewährter Art mieszumachen. Ganzen Artikel lesen


25. August 2008

3, 2, 1 – Schulz!

Es kommt ja selten genug vor, daß man über das “Internetauktionshaus” mit den bunten Buchstaben mal etwas Positives erwähnen muß. Immerhin, Ehre wem Ehre gebührt: Das Abschaffen negativer Bewertungen von Käufern durch Verkäufer, was in der Praxis in knapp 101 von 100 Fällen nichts anderem denn der Rache für eine selbst erhaltene schlechte Note gleichkam, war vermutlich die käuferfreundlichste Maßnahme, die das Unternehmen jemals ergriffen hat. Ganzen Artikel lesen


5. August 2008

Lebt denn der deutsche Jammermichl noch?

Dem Michel geht’s nicht gut, er spürt ne große Wut… ja, wer kennt sie nicht: Leute, die alles als erste haben müssen. Das an sich ist noch nicht weiter tragisch, steigert es doch (bestimmt!) das Bruttosozialprodukt. Schlimm wird es bei jenen Exemplaren, deren Verstand aussetzt, wenn der Ebayticker sich der “3-2-1″-Marke nähert und denen erst am Tag danach ein Kater namens Realität das hättest Du im Laden billiger bekommen! ins Ohr miaut. Die Krallen dieser Realität im Nacken und das eigene Spiegelbild fürchtend geht dann das Gezeter los: Betrug! Kostenfalle Internet! und der Verkäufer erhält eine negative Bewertung. Tatbestand: Abzocke!

Und so kam es auch dieser Tage wieder, wie es kommen mußte. Da waren einigen restlos merkbefreiten, selbsternannten Diplom-Schnäppchenjägern für Sekundenbruchteile Eisenbahnfahrkarten, die sie im Normalfall für 60 Euro bekommen hätten, plötzlich 200 Euro und mehr wert, ganz, als stünde ein Concorde-Flug einschließlich “All in” am Bananenbuffet zum Verkauf.

Wie gemein von der Bundesbahn, kurz darauf die gleichen Fahrkarten nicht mehr zu versteigern, sondern zum tatsächlichen Preis auf dem gleichen Vertriebsweg anzubieten. Das geht nun wirklich nicht, finden sogar die Verbraucherzentralen, denen für ein wenig Presse scheinbar auch kein Ruf mehr zu schade ist. Man darf auf die erste Klage gespannt sein und noch mehr auf das Urteil, wenn die Bundesbahn im Namen des gesunden Volksempfindens für schuldig befunden wird, daß Michel Motzkötter zu viel Geld für einen Fahrschein geboten hat. Immerhin haben wir auf die anfängliche Frage nun eine leider untrügliche Antwort:

Ja, er lebt noch!