30. August 2011
Eigentlich dachte ich immer, daß die seit Jahrzehnten üblichen Plakate, auf denen irgendein sorgsam retuschierter Politikerkopf (un)gezwungen bis grenzdebil grinsend und meist von etwas weiter oben auf sein Stimmvieh herabschaut, bereits das gruseligste wären, das die regelmäßigen Inszenierungen des modernen Klassikers “Wahlkampf” ausmacht. Ja, eine Zeit lang war ich überzeugt, daß Inhalte viel wichtiger wären, als beliebig austauschbare Köpfe.
Daß auch Phrasen beliebig austauschbar sind, habe ich dabei stets geflissentlich ignoriert. Daß die Simulation von Inhalten mich das ganze Bauerntheater noch mehr verachten lassen würde, als es die oben genannten Hackfressen je könnten, hätte ich auch nicht gedacht. Doch merke: Das Grundwesen der Peinlichkeit besteht zweifelsfrei darin, daß sie sich immer doch noch weiter unterbieten läßt. Ganzen Artikel lesen
Bekanntlich soll man genau dieses nicht tun, wenn es darum geht, Sümpfe trockenzulegen. Gut, nun ist im allgemeinen politischen Sinne gegen solche Vorhaben selten etwas einzuwenden, aber das zugrundeliegende Prinzip ist leider von universeller Gültigkeit.
Gegen den Wiederaufbau einer Vorort-S-Bahn-Strecke, was sollte da sprechen? Nun, auch ein umweltfreundliches Verkehrsmittel ist eben immer eine Frage der Perspektive. Im Falle der mittlerweile wohl durchweg besservedienenden Bewohner des angenehm hauptstadtnahen Örtchens Kleinmachnow bei Berlin-Zehlendorf ist diese Perspektive eindeutig die des Weltuntergangs, der ruhig überall stattfinden kann, Hauptsache nicht im eigenen Vorgarten. Ganzen Artikel lesen
30. Juni 2011
Liebe Deutsche BundesPost AG!
Früher, in der Steinzeit, mußte man Briefe als Normalsterblicher mit Wertmarken bekleben. Diese mußte man am Schalter kaufen, oder, sofern man passendes Münzgeld hatte, konnte man sie zu jeder Zeit den mechanischen gelben Automaten nach Geldeinwurf mit Kurbeln entlocken.
Dann, irgendwann Ende des letzten Jahrtausends, hattest du eine Idee. Zwar hast du ihr, ganz dem denglischen Zeitgeist geschuldet, den reichlich peinlichen Namen StampIt! gegeben, aber davon abgesehen war sie ziemlich genial. Ganzen Artikel lesen
…ist:

Daß sie wirklich wichtigen Dingen einfach im Weg steht.
24. Juni 2011
Ja, genau: Ich bin für “Jungesell(inn)enabschiede”. Eine übrigens urdeutsche Tradition, genau wie “Valentinstag” und “Halloween” und nicht, wie etwa der Polterabend, aus dem angelsächsischen Raum importiert.
Schon stimmungsvolle, unkonventionelle Ideen wie die, sich mit geringelten Badeanzügen oder Schweinsnasen verkleidet am Verkauf von Schnapsminiaturen versuchen zu müssen – darauf muß man erst mal kommen. Und dann ist das echt auch total witzig, einmal für die Teilnehmer. Erstens weil, zweitens deswegen und drittens schon von Hause aus. Und dann natürlich auch und besonders für all jene Leute, die zum Beispiel in der Düsseldorfer Altstadt sonst nur gelangweilt am Biertisch herumstehen und sich mit anderen langweiligen Leuten gequält unterhalten müßten, um die nervtötend ruhige und uninspirierte Umgebung (und das langweilige Altbier) halbwegs ertragen zu können, und die dankbar für jede Abwechslung sind, vor allem, wenn es sich, wie hier, um eine vollkommen neue, nie zuvor erlebte handelt.
Also, eins weiß ich ganz genau. Wenn ich mal heiraten sollte (schon allein die Vorstellung ist ja grauenhaft. Sich aufgrund höherer Zwänge in diesen gefangenschaftsartigen Dauerzustand begebn zu müssen!), muß ich unbedingt vorher auch noch mal so richtig einen draufmachen. Spaß haben (kommt von allein und mit jedem “Feigling” mehr), auf die Kacke hauen (oder auf die Kotze, kommt nach der richtigen Menge Spaß auch von allein) und alle Leute um mich rum daran teilhaben lassen (und weil ich die nicht alle nötigen will, bei mir zu Hause oder im extra angemieteten Vereinsheim vorbeizukommen, finde ich es schon heute tierisch fair von mir, zu den Leuten hinzufahren und ihnen unsere Top-Stimmung mitzubringen, ohne daß sie extra fragen und sich dafür womöglich schämen müßten).
Bevor wir uns verkleiden, werden wir allerdings noch ein bißchen Fitneß machen. Natürlich auf einem Bierbike. Das paßt gut, weil es fast genau so kultig ist, fit hält und man was von der Umgebung und den Leuten mitbekommt (und umgekehrt: Win-win!). Ach so, und wem es nicht paßt, der muß ja nicht mitmachen. Zu dem sagen wir einfach: Tschüß!
23. Juni 2011
Dieses Phänomen (das es, das sei der Ordnung halber erwähnt und nicht etwa aus “Gleichstellungsgründen”, selbstredend auch in männlich gibt) wird in diesem großartigen Artikel über den beispielhaften Werdegang eines populistischen Schwachsinnsgesetzes ebenso hervorragend beschrieben, wie auch die ganze Farce, die sich hinter der (auch nur noch selten und dann meist kurz vor Wahlkrämpfen) tatkräftigen Fassade unserer neuzeitlichen Realpolitik verbirgt.
Ich will nicht viele Worte machen, der Beitrag ist schon lang genug. Lest ihn auf jeden Fall bis zum Ende. Diejenigen unter uns, die selbst bei Providern arbeiten, werden schnell und mit Schrecken feststellen, daß Szenerien wie die geschilderten keine Ausnahme sind. Ich habe jedenfalls mehr als ein “Déja-vu” beim Lesen erlebt.
13. Juni 2011
17. April 2011
Ich bin ja ein großer Anhänger Wilhelm Buschs und seiner Werke, womit ich nicht nur seine “Comics” meine. Nur wenige Dichter der jüngeren deutschen Geschichte verstanden es meiner Meinung nach, derart trocken und oft erst auf den zweiten Blick das Wesen “des Deutschen an sich” am Beispiel seiner selbst vorzuführen. Zu gerne läse ich zeitgenössische Texte des Künstlers, die er unserer Gegenwart aus eigener Beobachtung gewidmet hätte, den der gefühlte Zyklus aus Aktion und vermeintlich obligatorischer Reaktion wird ja doch immer kürzer, oder umgangssprachlich: Inzwischen treibt man ja mehrmals täglich ganze Sauenkolonnen durch Dörfer (und Hauptstädte).
Aktuell wird “in der Netzgemeinde” wieder einmal innbrünstig um, naja: Nicht unbedingt eine Herde Borstentiere, aber gewiß einen Sack Reis getanzt Ganzen Artikel lesen
23. Februar 2011
Jeder, der mit seinem Fahrrad auch schon mal weiter fährt als bis zur Trinkhalle, kennt das: Vor Dir ein PKW (in der Regel Typ “motorisierter Einkaufswagen”), am Steuer wahlweise Trockengemüse, Frauen oder – auch längst keine Rarität mehr – hoffnungslos verwirrte Lebewesen männlichen Anscheins, die wahlweise und nicht immer eindeutig erkennbar telefonieren, ein Buch oder die Weltkarte lesen, den Einkaufszettel ergänzen und/oder meinen, durch konsequent meditatives Verhalten doch noch eine Parklücke in der gerade befahrenen (und natürlich vollständig zugeparkten) Gasse auftun zu können. Ganzen Artikel lesen