DavidBLN.de

Früher[tm]

Aus der Zeit, wo alles besser war.

Dies ist Seite 2. (Neuere Artikel)


18. September 2010

Lebenslänglich

Seit ich gestern diesen wirren Gedanken anderen, darüber verwunderten in ihre Twitter-Zeitleiste gestopft habe, beschäftigt er mich. Es ist mit Sicherheit nicht mal eine besonders geistreiche oder neue Feststellung, aber mich erschreckt sie aus verschiedenen Gründen doch: Die Erkenntnis, daß es offenbar ziemlich genau der Zeitspanne bedarf, die ein Mensch in etwa lebt, ehe die Lehren selbst aus den schlimmsten Katastrophen zwar nicht vergessen, aber in beispielhafter kognitiver Dissonanz verdrängt, relativiert oder schöngeredet werden, um der antiproportional zum schmerzlichen Andenken an geschehenes Unheil wachsenden Gier nach irgendetwas “endlich” und, ungestört von lästigen Bedenkenträgern, Rechnung tragen zu können. Ganzen Artikel lesen


19. August 2010

Bloatware

In diesem Karton:

Überdimensionaler Software-Karton

kam gestern meine (beinahe noch) neue Bildbearbeitungssoftware an. (An der kann man übrigens sehen, wie abhängig man sich über die Jahre von diesen Softwaremafiosi macht: Nachdem ca. 120% aller meiner Illustrationen mit Corel erstellt wurden, das sich in meiner letzten vorhandenen Version aber von den rechnerischen Fähigkeiten meines neuen Heimrechners so überwältigt zeigte, daß es den Dienst versagte, wäre ein Umstieg, wie ja überhaupt alle Softwareangelegenheiten, definitiv kein “mal eben schnell”-Fall, ganz davon abgesehen, daß ich mit diesem Programm dummerweise auch noch hochzufrieden war und bin.) In diesem Karton jedenfalls waren etwa 2GByte Installationsdaten enthalten. Angesichts der 25 Kubikmillimeter großen Speicherkarte meines Mobiltelefons, die die vierfache Menge verträgt, fragt man sich nicht nur, warum selbst für eine dieser verhaßten Silberscheiben mit immerhin schon ca 9.000 Kubikmillimetern (neun Kubikzentimetern) ein dekorativer, pseudoaufklappbarer Hochglanzkarton von 900 Kubikzentimetern (entsprechend 100 Silberscheiben oder 36.000 Speicherkarten à 8GByte, was in Summe über 280 TByte entspräche) benötigt wird. Man fragt sich auch, warum dieser, eingebettet in “Füllmaterial aus Maisstärke”, mit einem weiteren Umkarton von sage und schreibe 15.000 Kubikzentimetern (genau: 1.667 Silberscheiben oder 4.687,5 Petabyte Speicherkartenkapazität) für über fünf Euro im CO2 emittierenden Postauto 400 Kilometer durch die Lande transportiert werden muß.

Was übrigens mit 24 Stunden Lieferzeit zwar schnell anmutet, aber bei Weglassen der ganzen Körperlichkeit (ich kopiere den Inhalt der Silberscheibe ohnehin direkt auf mein eigenes ausfallsicheres Speichersystem und werfe sie hernach in den Müll), sprich: einer simplen Downloadmöglichkeit selbst bei Dorf-DSL immerhin dem stolzen Faktor 2.107 entspricht.

Wir sehen also, freundlich ausgedrückt, reichlich Optimierungspotential bei Euch, liebe Softwareversandhändler. Andererseits: Man muß ja auch an das Transportgewerbe denken. Und an die Holzverarbeiter. Und die Holzproduktbedrucker. Und die Behindertenwerkstätten, in denen solche schicken Kartons gebastelt werden (viel zu schade zum Wegwerfen, ich sollte ihn in einem “Onlineauktionshaus” als “Corel X4 OVP” verkaufen). Und natürlich an die Silberscheibenhersteller. Und nicht zuletzt an die Kunden, die vermutlich in ihrer Mehrzahl immer noch gerne “was in den Händen halten” wollen. Das antiquierte Schwarzweißfax hat sich, allen effizienteren Möglichkeiten zum Trotz, schließlich auch wacker über mindestens zehn überflüssige Jahre gerettet.


18. August 2010

Diese große Brille warum?

Die ich habe so möchte ich bin.


17. August 2010

Die Scheibe ist nicht die Welt…

…und das ist auch gut so. Warum ich in meinem ganzen Leben nie wieder eine (zumal beschreibbare) CDVDHDBlueray in die Hand nehmen und nicht mal mit dem Arsch anschauen werde.

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11. August 2010

Wir machen jetzt in Kohle

Mal was für alle, die gerne deuten:

Gestern früh fuhr ich nach längerer Zeit mal wieder an einer Ecke vorbei, die einst aus bestimmten Gründen für kurze Zeit meine verstärkte Aufmerksamkeit hatte. Links war ein Edeka, rechts war “Petra’s Nagelstübchen”.

Heute hängen über den schwarzen Flecken der ehemaligen Edeka-Leuchtbuchstaben mäßig festgezurrte Planen die mit dem Wort “Lidl” bedruckt sind und Petra hat ihr Studio an den Nagel gehängt, die Fassade renoviert und die einstigen Plastiklettern gegen ein überdimensionales, beleuchtetes Schild “AWD” ausgetauscht.


11. Juni 2010

Bumerang: Wayne interessiert’s

Daß das “Sparpaket” neoliberal-westerwellescher Prägung und alternativlos-Merkelscher Ausführung blanker Wahnsinn, asozialer Unfug und volkswirtschaftlicher Masochismus ist, leuchtet jedem halbwegs denkfähigen Menschen ein, selbst wenn er sich nicht gleich geistiger Sozialist ist.

Auch verlautbart Ursula Engelen-Kefer eine Binsenweisheit, wenn sie von einem gefährlichen Bumerang schreibt, den der Bundesdoktor da losgeschleudert hat. Das dumme ist nur: Da ist was drauf geschissen. Denn:

Daß das Wahlvolk gerne eine weniger marktradikal-ideologische Führung hätte? Geschenkt: Wird ignoriert oder so lange zurechtwählen gelassen, bis es paßt.

Antizyklische Konjunkturpolitik? Teufelszeug! Schließlich hat man das in grauerrot-gelber Vorzeit schon probiert – ganze acht Jahre lang, von denen es nur fünf funktioniert hat. (Daß das Gegenteil seit nunmehr bald 30 Jahren noch weniger funktioniert und Hayek dem Land nicht wie einst Keynes eine halbe, sondern gleich mehrere Millionen Arbeitslose und Heerscharen von Tage- oder Billiglöhnern und Quasi-Leibeigenen beschert hat: Alles Propaganda!)

Nein, liebe Genossin Ursula, der zitierte Bumerang wird, sobald er, wie korrekt geweissagt, erst mit voller Wucht zurückkehrt, natürlich nicht seinem Absender um die Ohren oder durch den Hals segeln. Vielmehr, und nun bemühe ich eine allgemein verfügbare Glaskugel, wird es alsbald heißen: “Wir haben nicht genug gespart, sondern immer noch über unsere Verhältnisse gelebt.” Und dieses erbärmliche Spiel wird weitergehen, bis wir zurück in den Höhlen und Wäldern sind, aus denen wir scheinbar besser nie herausgekommen wären.


13. Mai 2010

Patrone

Ein neuer oder besser: besserer, halt: nennen wir es würdigerer, nein, passender: passenderer Schutzpatron, also: Der ideale Schutzpatron für meinen Lästerblock hier (von dem ich mir ja gar nicht sicher bin, ob ich ihn überhaupt weiter als reinen Lästerblock fortführen will) – also: Der ideale Typ dafür wäre eindeutig und ungeachtet aller Verehrung für die ehemalige Inkorporation der von mir so herzlich als ideale Lästerzielscheibe verehrten teutonischen Spießigkeit nicht Hotte Tappert. Es wäre natürlich und ohne Zweifel Jürgen Holtz. Besser gesagt: Die Rolle, die Jürgen Holtz nach bereits vorweislicher Berufsroutine quasi über Nacht im ganzen frisch vereinigten Reich bekannt machte: Friedhelm Motzki. Gemein hat er mit Hotte immerhin, daß sich seiner die nicht mehr ganz so Jüngeren unter uns noch erinnern dürften, wenngleich das Schwellenalter hier ein wenig niedriger liegt als bei Hotte und daß die von ihm selbst dargestellte Persiflage auf jene Rolle, die er zweitausenddrölf in “Good bye Lenin” darstellen durfte, sogar doch auch “der Jugend” in Erinnerung sein sollte.

Wie auch immer, es geht nicht. Ich kann ihn nicht zum Schutzpatron machen, jedenfalls nicht ohne weiteres. Denn ich finde kein gemeinfreies verwertbares Lichtbild von ihm, das ich an Hottes Statt nach ganz oben packen könnte. (Vielleicht frage ich ihn ja einfach um Erlaubnis. Mal sehen.)

Bis dahin müssen diese Zeilen und, für die Jugend, die damit nichts anfangen kann, der Hinweis auf die bei Youtube vollständig verfügbare Serie (aus der auch der folgende Ausschnitt stammt) genügen. Mein persönlicher Favorit aus der Serie ist eigentlich sechseinhalb Stunden lang (weil ich sie mir in Dauerschleife ansehen könnte ohne daß es fad würde), aber besonders liebreizend wird es zum Beispiel ab Sekunde 57. Also, wer mich kennt und/oder schon immer wissen wollte, wer einst die manische Boshaftigkeit meiner Zunge zum Leben erweckt hat, der sehe sich dies und die übrigen 38 Schnipsel an.


27. April 2010

Kleingartenzoologie

ICH habe ja, als ich diese Meldung zum Thema Würfelquallen gelesen habe, sofort an die beim Spiel gerne mal Torte essenden Rentner aus der Nachbarparzelle gedacht. Aber: Giftig waren die nicht. Und geräuschlos auch nicht, war doch das einzige, was man von denen überhaupt mitbekam, das regelmäßige Klackergeräusch kleiner Holzkuben, die auf ein Holzbrett purzeln.


13. April 2010

Ausgerechnet Bananen?

Wie sich die Zeiten ändern. Stand man früher in der entbehrungsreichen Ostzone für Bananen stundenlang vor dem Konsum an, so wird heute in der immer schon freien und siegreichen Marktwirtschaft geduldig auf – immerhin vom reinen Brennwert her deutlich gehaltvolleres – Mineralöl gewartet.

Endlose Autoschlangen an einer "Billigtankstelle"

Und das ist nur konsequent: Bei einem durchschnittlichen Tankinhalt von 50 Litern ergibt sich hier schließlich eine Ersparnis von ca. 1,50 Euro. Das sind (rückwirkend inflationsbereinigt) immerhin 1,95 D-Mark bzw., bei gutem inoffiziellem Umtauschkurs Stand 1990, immerhin 58,60 Mark der DDR. Gemessen an einer Wartezeit von 30 Minuten ergibt sich ein Stundenlohn von 117,20 Mark der DDR – und stünde man die täglich üblichen 8,5 Stunden, ergäbe sich ein Monatsverdienst von stolzen 18.263 Mark der DDR – das ist mehr, als selbst höchste Würdenträger damals (offiziell) erhielten. Also: Auf zur nächsten Discount-Tankstelle. Warten lohnt sich!