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Kapitalismus

Bevorzugte Religion von Manchesterliberalisten, wird jedoch aufgrund zurecht befürchteter negativer Assoziationen gerne schamhaft hinter Neusprechblasen wie “neue soziale Marktwirtschaft” oder “globalisierter Wirtschaftsraum” versteckt.

Dies ist Seite 2. (Neuere Artikel)


18. September 2010

Lebenslänglich

Seit ich gestern diesen wirren Gedanken anderen, darüber verwunderten in ihre Twitter-Zeitleiste gestopft habe, beschäftigt er mich. Es ist mit Sicherheit nicht mal eine besonders geistreiche oder neue Feststellung, aber mich erschreckt sie aus verschiedenen Gründen doch: Die Erkenntnis, daß es offenbar ziemlich genau der Zeitspanne bedarf, die ein Mensch in etwa lebt, ehe die Lehren selbst aus den schlimmsten Katastrophen zwar nicht vergessen, aber in beispielhafter kognitiver Dissonanz verdrängt, relativiert oder schöngeredet werden, um der antiproportional zum schmerzlichen Andenken an geschehenes Unheil wachsenden Gier nach irgendetwas “endlich” und, ungestört von lästigen Bedenkenträgern, Rechnung tragen zu können. Ganzen Artikel lesen


18. August 2010

Gerechtigkeit, Sack & Asche

Ich habe eigentlich im Moment gar keine Lust, mich generell politisch oder konkret zu dieser Sache zu äußern. Aber ich kann nicht umhin, weil es nervt. Seit Jahren. Da wird also, wie einst Oskar Lafontaine der “teure Rotwein”, nun Klaus Ernst der “teure Porsche” (und einiges mehr) vorgeworfen. Global, von der gesamten gleichgeschalteten “alternativlosen Realo”-Journaille. Völlig objektiv, versteht sich, und ohne Kampagnengedanken oder sowas. Dabei wird implizit unterstellt, daß jemand, der “links” ist, jemand also, der nach derzeitiger allgemeiner Sachlage für mehr soziale Gerechtigkeit, für mehr gesellschaftliche, kulturelle und selbstverständlich auch materielle Teilhabe eintritt, ja: Jemand, der seine Wählerschaft besonders in den drangsalierten und vom Arbeitsmarkt zu Leihsklaven dritter Klasse abgestempelten sucht, die gefälligst im Zweifel auch Hundescheiße einsammeln müssen, so einer habe sich also gefälligst seiner vermeintlichen Kundschaft und deren insbesondere materiellen status quo anzupassen.

Und wenn diese (immer seltener) unausgesprochene Gleichsetzung wirklich irgendetwas beweist, dann höchstens eins: Daß die armseligen, vermutlich nicht selten an privaten PR-(”Elite-”)Schulen ausgebildeten Zeilengeldempfänger den Kern “linken” Gedankenguts noch nicht einmal ansatzweise verstanden haben. Der besteht nämlich genau darin, daß ein guter Rotwein nicht dem Lehensherren vorbehalten bleibt. Daß es nicht das Privileg einer überschaubaren Kapitalelite sein soll, sich des Lebens beispielsweise im Jugendtraum eines Sportwagens zu erfreuen. Sondern daß, genau im Gegenteil!, die Segnungen einer immer produktiveren und effizienteren Arbeits- und Produktionswelt eben gerade jedem gleichermaßen zuteil werden sollen. Auch, wenn er kein “cooler Baron” oder “Leistungsträger” ist.

Aber immerhin. Schön, wie sich die gesamte gleichgeschaltete deutsch-demokratische Massenpresse hier einmal mehr als längst zum Verkündungsorgang der Bertelsmänner dieser Welt abgehalfterte Masse selbst enttarnt.


Ich kann nicht rechnen.

Sonst könnte ich nachvollziehen, wieso Frankreich, wo die Reallohnsteigerungen der letzten Jahre penetrant höher (gerechter!) ausgefallen sind als in unserer neoliberaldemokratisch-deutschen Republik, es schafft, nun schon die Bundesdruckerei beim Gebot um Banknotenaufträge zu unterbieten. An den angeblich zu hohen Lohnkosten dort kann es ja kaum liegen.


11. August 2010

Wir machen jetzt in Kohle

Mal was für alle, die gerne deuten:

Gestern früh fuhr ich nach längerer Zeit mal wieder an einer Ecke vorbei, die einst aus bestimmten Gründen für kurze Zeit meine verstärkte Aufmerksamkeit hatte. Links war ein Edeka, rechts war “Petra’s Nagelstübchen”.

Heute hängen über den schwarzen Flecken der ehemaligen Edeka-Leuchtbuchstaben mäßig festgezurrte Planen die mit dem Wort “Lidl” bedruckt sind und Petra hat ihr Studio an den Nagel gehängt, die Fassade renoviert und die einstigen Plastiklettern gegen ein überdimensionales, beleuchtetes Schild “AWD” ausgetauscht.


27. Juli 2010

Gaga Carta

Wenn jemand jemandem die Rechte erklären darf und/oder sollte, dann ist das in der Regel

  • Sein Anwalt,
  • ein Ordnungshüter, der meint, ihn bei etwas ertappt zu haben,
  • möglicherweise auch jemand, der sich im braunen Sumpf halbwegs auskennt.

Am besten kann sowas aber natürlich und zweifelsfrei ein Geldinstitut:

Screenshot der Commerzbank-Homebanking-Seite, Inhalt: "Die Kundencharta - Ihre Rechte als Kunde der Kommerzbank"

Denn wer sonst kennt sich mit Recht und Gesetz besser aus, wer könnte seinen Kunden lebensnäher von Dingen, die man sonst noch so auf “Charten” findet (Moral, Ethik und sonstiger Tand) berichten?


11. Juni 2010

Bumerang: Wayne interessiert’s

Daß das “Sparpaket” neoliberal-westerwellescher Prägung und alternativlos-Merkelscher Ausführung blanker Wahnsinn, asozialer Unfug und volkswirtschaftlicher Masochismus ist, leuchtet jedem halbwegs denkfähigen Menschen ein, selbst wenn er sich nicht gleich geistiger Sozialist ist.

Auch verlautbart Ursula Engelen-Kefer eine Binsenweisheit, wenn sie von einem gefährlichen Bumerang schreibt, den der Bundesdoktor da losgeschleudert hat. Das dumme ist nur: Da ist was drauf geschissen. Denn:

Daß das Wahlvolk gerne eine weniger marktradikal-ideologische Führung hätte? Geschenkt: Wird ignoriert oder so lange zurechtwählen gelassen, bis es paßt.

Antizyklische Konjunkturpolitik? Teufelszeug! Schließlich hat man das in grauerrot-gelber Vorzeit schon probiert – ganze acht Jahre lang, von denen es nur fünf funktioniert hat. (Daß das Gegenteil seit nunmehr bald 30 Jahren noch weniger funktioniert und Hayek dem Land nicht wie einst Keynes eine halbe, sondern gleich mehrere Millionen Arbeitslose und Heerscharen von Tage- oder Billiglöhnern und Quasi-Leibeigenen beschert hat: Alles Propaganda!)

Nein, liebe Genossin Ursula, der zitierte Bumerang wird, sobald er, wie korrekt geweissagt, erst mit voller Wucht zurückkehrt, natürlich nicht seinem Absender um die Ohren oder durch den Hals segeln. Vielmehr, und nun bemühe ich eine allgemein verfügbare Glaskugel, wird es alsbald heißen: “Wir haben nicht genug gespart, sondern immer noch über unsere Verhältnisse gelebt.” Und dieses erbärmliche Spiel wird weitergehen, bis wir zurück in den Höhlen und Wäldern sind, aus denen wir scheinbar besser nie herausgekommen wären.


7. Juni 2010

Sozialeffizienz

Daß die “alternativlose” “Konsolidierung” des “über seine Verhältnisse gelebt” habenden Bundeshaushalts selbstverständlich nicht durch eine Optimierung der Einnahmenseite (das würde ja bedeuten, jene, die emsig Milliarden aus Subventions- und Rettungspaketen kassiertmit ihrer baren Hände Arbeit erwirtschaftet haben, auch noch dafür zu bestrafen), sondern durch eiserne Disziplin besonders derer, die sich auf anderer Leute Kosten bereichern (genau, diese Bankster, die nachts die Parkbank einfach blockieren, beispielsweise!) oder, wie der Bundesdoktor es nannte, durch Prüfung der Ausgabenseite, erreicht zu werden hat ist, klar, alternativlos[tm].

So weit, so schlecht, so unüberraschend für die Nachfahren der Freunde des Flick(werk)s. Wenn aber der Doktor ernsthaft verlangt, daß die “sozialen Strukturen effizienter” werden müßten, dann mag man sich darüber nicht mal mehr erregen.

Denn wer wie er ernsthaft eine sachlich-rechnerische Optimierung des höchsten Kulturguts eines sich als zivilisiert verstehenden (oder wenigstens bezeichnenden) Menschenansammlungskonstrukts fordert, nämlich jenes “sozial, gemeinschaftlich geprägten Miteinanders” (und eben nicht Neben- oder Gegeneinanders, wie es vermutlich im streng darwinistischen Weltbild einer, zumal vom Machterhaltungstrieb unverhohlen besessenen Naturwissenschaftlerin als einzig geltende Weltordnung existieren mag), der verlangt nicht weniger, als in einem runden Zimmer in die Ecke zu pissen.

Effiziente Sozialstrukturen. Ich weiß wirklich nicht, wie ich daraus noch eine Schlußpointe zaubern soll. Und ich hab auch gar keine Lust dazu.


12. Mai 2010

Danke für jedes neue Borgen…

…danke für jeden neue MarkEuro!

Oder, wie es der Kassenwart der nationalen Einheitsvertretung für Arbeits- und Stimmvieh ausdrückte:

Die Politik wird bei der Erfüllung einer schwierigen Aufgabe von Vertretern der Finanzwirtschaft nicht alleingelassen.

(Sollte eigentlich länger und “lustiger” werden, aber irgendwie wird man müde, sich ständig Lästereien zu Dingen auszudenken, die schon für sich so absurd, peinlich, lächerlich, beschämend sind, daß man, wenn es denn was brächte und noch irgendein geeignetes Ziel gäbe, sofort auswanderte.)


5. Mai 2010

Frühkonfus I

“Einschneidend”, “Basta”, “Agenda”. Bläulich schimmernde Zentralgestirne am ansonsten noch unsortierten gedanklichen Firmament eines fünfgradig-windigen Maimorgens des Jahres, von dem kecke Klimatiker behaupten, es könne, einer staubenden isländischen Erdspalte wegen, eines ohne Sommer werden: Zwanzigzehn.