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Politik

Nicht beliebtes, aber überdurchschnittlich subventioniertes Staatstheater mit deutlich zu vielen Zweigniederlassungen weltweit und tendenziell grundsätzlich doppelminussympathischen und doppelplusbedingt glaubwürdigen Darstellern.

Dies ist Seite 2. (Neuere Artikel)


18. November 2010

Verpixelungswahn

Ich twott jüngst:

Wenn die Polizei Eure Städte videoüberwacht kriegt Ihr keinen Verpixelungsdünschiß. Aber wehe wenn ne CSU-Tante polemisiert…

Das ist natürlich sehr verkürzt (man darf das im Fall von Twitter als Systemimmanenz bezeichnen). Es trifft aber im Grunde dennoch genau die Geisteshaltung, die ich der Mehrheit der “Verpixler” attestiere. Wenn auch weder primär noch vorrangig, habe ich damit dennoch nicht ganz ohne Absicht auch den von mir bis auf gelegentliche kleine Perspektivdifferenzen sehr geschätzten Block-Kollegen Köpke, der wenig vorher einen durchaus durchdachten Text zur Verpixlungsdebatte beitrug, zu folgendem Einwurf provoziert:

Belege die perfide Lüge, dass MIR Polizeiüberwachung keine Kopfschmerzen bereitet!

Wenngleich ich genau ihm genau das niemals unterstellen würde (dafür lese ich seine Texte schon viel zu lange und gerne), will ich dann also doch auch mal versuchen, zusätzlich zu meinen bildgestalterischen Äußerungen auch verbal darzulegen, warum ich einen viel entspannteren Umgang mit einem dieser vielen Themen wünsche, deretwegen „uns“ „die restliche Welt“ wohl wieder einmal etwas „verwundert“ „bestaunen“ dürfte.

Plump gesagt ist die ganze Debatte für mich vor allem eine eher absurde und völlig diffuse Gemengelage. Hier werden viel “German Angst”, eine gute Scheibe Polemik, eine Prise Kampagne (”Lex Google” – nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal übrigens, da wette ich drauf), einige (wie ich finde) grundlegende Mißverständnisse juristischer Natur, eine gute handvoll Gerechtigkeit und, das sei eingeräumt, berechtigte Sorgen um die Geschäftspraktiken eines für manchen beängstigend schnell wachsenden Weltkonzerns zu einem typisch deutschen Eintopfgericht verkocht.

Worum geht es eigentlich genau? Ganzen Artikel lesen


15. November 2010

Wie die gelbe Pest an die Saar kam?

Ist doch klar – natürlich mit authentischem “Jamaika”-Fuhrpark.

Ein Fahrrad mit einem Aufkleber, Text: Guidomobil

Gesehen und erschrocken unweit des Saarbrückener Regierungsviertels.


Schwäbische Bananen

…sind im Grunde wie alle Bananen. Erst sehen sie grün aus:

Cem Özdemir steht vor einer grünen Deko und hält eine Rede zu einem Parteitag der "Grünen"

Und dann werden sie gelb:

Cem Özdemir steht vor einer blaugelben Deko. Im Hintergrund ein Schriftzug "ÖDP - Öz Demir Partei" sowie im Vordergrund: "Politik muss realistisch werden"

Die dritte und endgültige Reifestufe ist bekanntlich… ach, genug Farbenzauber für heute. Aber mal ehrlich – welches Bild sieht authentischer aus?

(Inspiriert durch eigene Erfahrungen mit der und vor allem durch etliche Artikel von Uwe Ness über die “Grüne Partei” wie zum Beispiel diesen, sowie eine schon aufgrund ihrer Perspektive höchst interessanten Serie von Jutta Ditfurth, die schon vor Jahren und wohl mangels Interesses politischerer Blätter in der “Neuen Revue” erschien.)

Bildmaterial: Grüne Baden-Württemberg (Quelle), lizenziert unter CC-BY-SA 2.0.


5. November 2010

Hen Sie e Schäuble locker?

Nüchtern betrachtet Auf den ersten Blick scheint das Bild klar: Der amtierende Bundesfinanzminister übt sich in bester deutscher Leitkultur, wenn er nach oben buckelt…

… und nach unten tritt:

Aber ist es wirklich so einfach? Tun wir doch mal für einen Absatz so, als sei Schäuble tatsächlich zu einer Diskursebene fähig, die seinem akademischen Grad gerecht wird. Unterstellen wir ihm, nicht nur – was auch ohne allzugroßen IQ der Fall sein dürfte – zu wissen, daß er schon angesichts seiner moralisch stramm marktliberal gefestigten und alle bisherigen Lagerwechsel unbeschadet überstanden habenden Entourage im Finanzministerium sowie im Hinblick auf den Kurs der Bundesnichtskannzlerin, die ihre Richtlinienkompetenz längst an fröhliche Mietgäste des kanzlerämtischen Festsaals überschrieben hat, überhaupt keine eigene Gestaltungsmacht besitzt.
Nehmen wir stattdessen getrost an, daß Herr Schäuble auch spürt, daß weder die deutsche Qualitätsjournaille noch jene, die deren gefilmte Abendbotschaften später fraglos aufnehmen sollen, noch ernsthaft an ein Verantwortungsbewußtsein oder auch nur die Barmherzigkeit eines Josef Ackermann glauben würden. Unter diesen Annahmen bleibt nur ein Schluß: Der Mann hat einen ganz eigenen Humor, geriert sich im Fall Ackermann als sensibler Satiriker und hofft, daß jeder ringsum ob der zu offensichtlichen Unterwürfigkeit, die da aus ihm herausnuschelt, merkt, daß er damit eigentlich das Gegenteil, nämlich etwa “wenn ich Sie schon nicht an die Kandarre nehmen kann, mach ich sie wenigstens hintenrum lächerlich”, meint. Und unter dem Eindruck dieses ganz speziellen Humors mag man dann auch die intimen Szenen einer Ehe zwischen einem Minister und seinem Pressesprecher neu bewerten, vielleicht so: “Was sich neckt, das liebt sich und wir hatten hier just die einmalige Chance, dem robusten aber insgeheim herzlichen Verhältnis von Koch und Kellner beiwohnen zu dürfen.”

Soweit dieser eine Absatz. Der Ausflug in die alternative Sichtweise. Ich mache kein Geheimnis daraus, daß ich trotzdem eher zu der Annahme neige, daß wir hier ungeplant Zeuge postintoxikativer Rekonvaleszenz und fehlender Kopfschmerztabletten wurden. Und des fehlenden Rückgrats selbst in hohen Ebenen staatlicher Repräsentanten. Womit ich neben dem aufrechten Wolfgang auch seinen Schergen meine, denn jeder Mensch mit Arsch und Eiern hätte seinem Chef nach so einer öffentlichen Ansage ebenso öffentlich die Brocken hingeschmissen und sich mit einem “spiel doch selbst Mappentaxi, Arschloch” verabschiedet. Aber: Deutsche Leitkultur hat eben viel mit Aushalten und schlucken zu tun.


2. November 2010

Kanzleramtsgegenstand

Laut Bild am Montag wurde heute vor dem Kanzleramt “ein verdächtiger Gegenstand entdeckt”. Da unsere Qualitätsmedien hierzu keine wirklich stichhaltigen Bilder liefern wollten, hole ich das mal nach:

Vor dem Berliner Bundeskanzleramt ist deutlich erkennbar ein in einen häßlichen, rosa-schwarzen Hosenanzug gehülltes Objekt erkennbar

Bildquellen: Public domain und Tischbeinahe (cc-by)


27. September 2010

Nachtgedanken

Ich möchte gerne, daß diesen Film möglichst vielen Leute sehen. Alle, die denken, jeder außer ihnen selbst sei faul. Jeder, der meint, es wäre richtig, daß man nur dann essen dürfe, wenn man bereit sei, unter Zwang auch noch die widerwärtigste Aufgabe zu erledigen. Jeder, der meint, es wäre gottgegeben, selbst zur privilegierten Elite zu gehören, während andere einfach selbst schuld seien, das nicht zu tun. Deshalb verlinke ich ihn hier:

http://www.nuoviso.tv/wirtschaft/das-grundeinkommen.html

Indes: Ich bin mir – leider! und: noch weniger gerne!! – ziemlich sicher, daß eine visionäre, ja: revolutionäre Idee wie das bedingungslose Grundeinkommen entweder nicht zu meinen Lebzeiten oder aber nicht ohne den Preis einer mindestens anstrengenden, befürchtenswerterweise gar blutbehafteten gesellschaftlichen Veränderung zur Realität werden wird. Viel zu gefährlich ist sie all jenen, die genau von ihrer bisherigen Nichtexistenz, vom Unterdrücken, vom Arbeitszwang, vom Lohndruck, vom Aufhetzen derer am unteren Rand gegen die ganz unten profitieren. Denen, die sich teilweise seit Generationen von jedwedem Bezug zur menschlichen Basis, zur gesellschaftlichen Realität losgelöst haben. Jenen, die mit viel Geld Politikern klarmachen, daß ihr Weg der wahre ist und nicht jener einer solidarischen, gerechteren Gesellschaft, in der der Einzelne nicht nach der Dicke seiner Brieftasche oder der Leichtigkeit seiner wollenen Oberbekleidung bemessen wird.

Ich glaube nicht daran, daß ein Staatenkonstrukt wie das unsere (oder jenes auf Drängen “der Märkte” dem unseren übergeordnete der EU) in der Lage ist, kehrt zu machen. Einzulenken und nicht mehr dem Wohlstand der wenigen, sondern dem Wohl der Gemeinschaft, dem Gemeinwohl, zu dienen. Viel zu verlockend ist für jene, die da ändern könnten, der persönliche – von Stiftungen wie jener der Familie Mohn oder aus Kassen derer zu Ackermann finanzierte – Salär, der hinfällig würde, setzte man den Auftrag desjenigen, der mittels vierjährlichem Kreuz die symbolische Gestaltungsmacht verlieh, konsequent um.

Doch sei es drum. Mache der Weg zu einer wirklich solidarischen, sozialen, ja: menschlichen! Gesellschaft abermals jenen scheinbar unvermeidbaren Weg des Schmerzes durch: Ich mag mich von dem Glauben, von dem Ideal, daß es eines fernen und von mir vermutlich nicht mehr erlebten Tages besser werden könnte, einfach nicht verabschieden. Selbst, wenn zu Zeiten, da ich mir noch ein Bier eingießen kann, eben jenes in erbärmlichster populistischer Manier zur Stigmatisierung der Schwächsten aller Schwachen genügen muß, während sich ehemals ostzonale Pfarrerstöchter von Atomkonzernen kaufen lassen.

In Memoriam Heinrich Heine.


18. September 2010

Lebenslänglich

Seit ich gestern diesen wirren Gedanken anderen, darüber verwunderten in ihre Twitter-Zeitleiste gestopft habe, beschäftigt er mich. Es ist mit Sicherheit nicht mal eine besonders geistreiche oder neue Feststellung, aber mich erschreckt sie aus verschiedenen Gründen doch: Die Erkenntnis, daß es offenbar ziemlich genau der Zeitspanne bedarf, die ein Mensch in etwa lebt, ehe die Lehren selbst aus den schlimmsten Katastrophen zwar nicht vergessen, aber in beispielhafter kognitiver Dissonanz verdrängt, relativiert oder schöngeredet werden, um der antiproportional zum schmerzlichen Andenken an geschehenes Unheil wachsenden Gier nach irgendetwas “endlich” und, ungestört von lästigen Bedenkenträgern, Rechnung tragen zu können. Ganzen Artikel lesen


6. Juli 2010

Rauchen. Macht. Dumm.

Rauchen ist, folgt man jenen, die davon nicht lassen können, wahlweise Ausdruck von Lebensfreude, Genuß, Kultur oder gar „Freiheit“. Nüchtern betrachtet ist es, wie trinken, fixen, kiffen und dergleichen primär eine Sucht. Das erkennt man an kognitiven Dissonanzen wie „ich kann es jederzeit lassen, will aber nicht“ oder „es geht nichts über eine schöne Frühstückszigarette gegen den Husten“. Nicht, daß ich mißverstanden werde: Das ist keine Wertung, kein Urteil. Es ist eine Beschreibung, die ich als erst im zweiten Versuch unabhängig gewordener, ehedem starker und langjähriger Raucher auch aus eigenem Erleben abgebe. In solchen psychischen Gemengelagen ist rationales Argumentieren üblicherweise schwer. Wenn es dann noch an eigene Territorien und Gewohnheiten geht, wird darauf mit größtmöglichem Widerstand oder -willen reagiert. Das ist genau so menschlich, wie die Verquickung von Tatsachen und Einschätzungen mit selektiver Wahrnehmung und Wunschdenken. Ganzen Artikel lesen


1. Juli 2010

Naiv!

Vorweg: Ja, Herr Gauck hat im Gegensatz zum Welfenschwiegersohn Ecken, Kanten und eine klare Linie. Und ja, er wäre auch mir von beiden nennenswerten Kandidaten lieber gewesen – wenn auch nur als kleineres Übel.* Übrigens: noch während der Versammlung hätte jeder Teilnehmer der Bundesversammlung, und sei es nur um ein Zeichen zu setzen, selbst eine geeignete Person seines/ihres Vertrauens als Kandidat vorschlagen können, das nur am Rande.

Daß ausgerechnet die vermeintlich gut informierten twitternden und bloggenden “digital natives” sich jedoch instrumentalisieren lassen, völlig unreflektiert nicht nur Herrn Gauck als nachgerade messiasgleichen Landesführer mit ausschließlich positiven Eigenschaften öffentlich anzuhimmeln, sondern der Linkspartei und ihren Wahlleuten, die es wagten, sich nicht einfach für einen mit ihr nicht abgestimmten (wir erinnern uns: Herr Gabriel von der “S”PD hatte, gemeinsam mit Herrn Trittin, nicht etwa die Linken per SMS kontaktiert, sondern lieber den Bundesdoktor) “überparteilichen” Kandidaten einspannen zu lassen, enttarnt in einem kaum beschreibbaren Maße die Naivittät und womöglich Selbstüberschätzung jener, die von sich behaupten, nicht Teil einer gar nicht existierenden “Internet-Gemeinde” zu sein sondern längst die breiten Massen zu repräsentieren. Wobei: In letzterem Punkt haben “sie”, die sie da munter neben dem Drei-plus-ein-Gänge-Menü der Marathonversammlung hertwitterten, damit sogar Recht, hat doch zuletzt das gefühlte ganze Land “yes we gauck” gekreischt – scheint irgendwie ein Volksbedürfnis mit langer Tradition zu sein. Ganzen Artikel lesen