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Schlipsträger

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27. August 2010

Wir machen das mit den Fähnchen.

Sprach der Marketing-Schlipsträger nach dem Beratungsgespräch mit dieser Social-Dingsbums-Expertenagentur zum Chef:

Wir müssen da jetzt auch rein, in dieses Twitter.

Gesagt, getan.

Bildschirmfoto: Inoffizieller Twitter-Account für Alice Deutschland, dessen einziger Tweet am 12. Mai 2009, also 15 Monate vor diesem Artikel, erfolgte und besagt, daß hier "noch" wenig los sei, aber man ja schon mal folgen könne

Sie sehen: So einfach funktioniert das mit diesem Social-Dingsbums-Dings. Und schon ist man auf der Höhe der Zeit.

(Natürlich sollte man währenddessen nicht vergessen, die bewährten Methoden der UmsatzausweitungKundenpflege einzusetzen, wie beispielsweise Telefonakquise, die, als “Serviceanruf” der “Alice-Kundenbetreuung” getarnt, Werbeanrufsverweigerern wie mir dann jene tollen O2-Mobilfunk-Kombitarife andrehen soll, die ich schon in Form von Surf-Stick-Gutscheinen per Post nicht haben wollte. Jedenfalls, wenn man Wert darauf legt, daß solche Kunden das als willkommenen Anlaß sehen, den bisher hinausgeschobenen Wechsel des Providers endlich mal in Angriff zu nehmen.)

Ja, ich weiß. Es kann ja durchaus sein, daß der Account gar nicht der Firma Hansenet/Telefonica gehört. Und das tolle ist: Wenn dem so wäre, wäre es ja noch peinlicher.

Nachtrag vom Juli 2011 sowie fürs Protokoll und für die Suchmaschine: Unter der Rufnummer 02311892873 betreibt die Firma selbst oder, was ich eher vermute, ein externes “Call Center” auch weiterhin aufs emsigste Kaltakquise, weiterhin als Serviceanruf tarnt. Teilweise ruft man über Wochen hinweg etliche Male täglich an, natürlich ohne eine Nachricht zu hinterlassen und verweigert, sobald der Angerufene drangeht und nach dem Namen der tatsächlich anrufenden Firma fragt, konsequent die Auskunft.

Den Dialog, der sich nach meiner Notiz des Familiennamens des Anrufers entspann, möchte ich euch schon jetzt in Teilen nicht vorenthalten:

“Und jetzt bitte die Firma, für die Sie arbeiten.”
“Äh, na Alice.”
“Nein, die Firma, die Ihnen ganz konkret Gehalt und/oder Provision für diesen konkreten Telefonanruf zahlt.”
“Das weiß ich gerade nicht, wie meinen Sie das?”
“So wie ich es gefragt habe. Die Firma, deren Name auf dem Kontoauszug über der Buchung steht, die Ihnen am Monatsende, so hoffe ich für Sie, einen Entgelteingang als Ausgleich für die von Ihnen durchgeführte nicht erwünschte Belästigung ausweist.”
“Das kann ich gerade nicht nachsehen, ich bin ja im Büro.”
“Umso besser. Ich warte am Telefon, während Sie vor die Tür gehen und mal nachsehen, was auf dem Klingelschild steht.”

So und anders ging es noch eine Weile weiter, ohne daß ich den Namen erfuhr. Das ist aber auch nicht nötig. Denn sowohl die Anzeige bei der Bundesnetzagentur als auch eine ausführliche Datenbestandsauskunftsanforderung nach BDSG und einige andere kleine Nettigkeiten sind bereits auf dem Weg. Ich werde dazu noch ausführlich berichten.

Nur eins finde ich ausgesprochen bemerkenswert: Die Portokosten – denn eine Anzeige per Fax oder gar Internet ist der Bundesnetzagentur nicht willkommen – für die Anzeige einer Belästigung, die sich gegen mich richtet und die nebenbei einen nicht unerhebliches strafrechtliches Vergehen bedeuten kann, trägt – ganz im Sinne des neoliberalen Denkkonzepts, dessen Kind ja auch diese “Agentur” ist – nicht etwa der, der den Gesetzesverstoß begeht, sondern der Belästigte. Bei 55 Cent pro Anzeige und vorsichtig geschätzt wenigstens 133.700 provisionsgesteuerten Belästigungscallcentern in bzw. für/gegen Deutschland leuchtet ein, wer da in den meisten Fällen den längeren Atem haben wird.


11. August 2010

Wir machen jetzt in Kohle

Mal was für alle, die gerne deuten:

Gestern früh fuhr ich nach längerer Zeit mal wieder an einer Ecke vorbei, die einst aus bestimmten Gründen für kurze Zeit meine verstärkte Aufmerksamkeit hatte. Links war ein Edeka, rechts war “Petra’s Nagelstübchen”.

Heute hängen über den schwarzen Flecken der ehemaligen Edeka-Leuchtbuchstaben mäßig festgezurrte Planen die mit dem Wort “Lidl” bedruckt sind und Petra hat ihr Studio an den Nagel gehängt, die Fassade renoviert und die einstigen Plastiklettern gegen ein überdimensionales, beleuchtetes Schild “AWD” ausgetauscht.


6. August 2010

Aktion sauberer Arbeitsplatz

Hier sind meine Beiträge.

Hinweisschild: Schlipsverbot
…denn daß die Dinger gesundheitsgefährlich (behinderte Sauerstoffversorgung des Kleinhirns) für ihre Träger sind, belegen empirisch vier von drei Gesprächen mit denen. (Also den Trägern, nicht den Schlipsen.)

Und für die, die ein simples und deutliches Verbotsschild nicht verstehen oder einem für teures Geld das tägliche Beamer-Bullshit-Bingo ins Haus bringen wollen, eine moderne Fassung von “betteln und hausieren verboten”:

Schlipsträger und Powerpointpräsentierer: Wir müssen leider draußen bleiben.


27. Juli 2010

Gaga Carta

Wenn jemand jemandem die Rechte erklären darf und/oder sollte, dann ist das in der Regel

  • Sein Anwalt,
  • ein Ordnungshüter, der meint, ihn bei etwas ertappt zu haben,
  • möglicherweise auch jemand, der sich im braunen Sumpf halbwegs auskennt.

Am besten kann sowas aber natürlich und zweifelsfrei ein Geldinstitut:

Screenshot der Commerzbank-Homebanking-Seite, Inhalt: "Die Kundencharta - Ihre Rechte als Kunde der Kommerzbank"

Denn wer sonst kennt sich mit Recht und Gesetz besser aus, wer könnte seinen Kunden lebensnäher von Dingen, die man sonst noch so auf “Charten” findet (Moral, Ethik und sonstiger Tand) berichten?